Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
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160 § 6. Sonstige Religionsgesetze sollte man sich nicht davor hüten, daß der Charakter zu ihrer Art herabgezogen würde (149)“. Hier schwebt offenbar eine rein allegorische Deutung vor, nach welcher der Gesetzgeber nicht Tiere verbieten, sondern vor bestimmten Menschengruppen warnen will; diese Deutung wird aber in einer dem Wortsinn günstigen Richtung umgebogen, und zwar mit HÜfe des hellenischen, bekanntlich auch bei Philon nachwirkenden Gedankens, daß die Berührung einer Deiche verboten sei, um vor dem Morde zu warnen* 1. In ganz ähnlichem Sinne ist es gemeint, wenn nach § 166 das Wiesel als Symbol der Angeberei verboten ist2. — Auch die Bestimmung, daß Tiere mit gespaltenen Klauen rein sind, wird symbolisch gedeutet, und zwar in dem Sinne, daß wir das gerechte vom ungerechten Handeln unterscheiden sollen; als Beispiele der ddtxca werden allerdings blutschänderische Verbindungen, wie sie bei andern Völkern üblich sind, aufgeführt (150 ff.). Nach einer anderen Deutung soll das Spalten der Klauen und das Wiederkäuen die Erinnerung bedeuten (153 ff.). Bewiesen wird das freilich nur für das letztere Merkmal; ״Wiederkäuen ist nichts anderes als die Erinnerung an Leben und Bestand; denn zu unserem Bestände verhilft nach Moses die Nahrung“. Auch dieser Gedanke, den wir bei Philon viel reiner wiederfinden werden, wird aber im Folgenden religiös verbogen; nicht die Erinnerung im allgemeinen ist gefordert, sondern die ständige Erinnerung an Gott als den Schöpfer unserer aüaraatc3, deren Wacherhaltung auch andere Vorschriften des Gesetzes dienen. ,,Verunreinigung“ untersagt ist. Der Uebergang vom Verbot des Genusses zu dem der Berührung ist im griechischen weniger gezwungen, da a׳jrcea9־a1 xivd«; zugleich Essen oder Trinken eines Nahrungsmittels bedeutet. 1 S. o. S. 73. 2 Ganz anders ist es aufzufassen, wenn im rabbinischen Schrifttum mehrfach der Aussatz als Zeichen der Angeberei gefaßt wird. Hier liegt nicht nur die Volksetymologie מוציא שם רע מצורע zugrunde, sondern auch die Erinnerung an die Bestrafung übler Nachrede durch Aussatz Num 1210. Von symbolischer Verflüchtigung des Gebotes ist hier nicht die Rede. 3 adataatc bedeutet nicht nur ״Bestand“, wie wir (nach Wendland) übersetzt haben, sondern schließt die Beschaffenheit im weitesten Sinne ein