Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 162)
- Language
- German
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Speisegesetze: IV Makk., Aristeas 159 unserer Natur, d. h. unserer Eigenart gemäß leben sollen, findet sich in der Stoa zwar •nur vereinzelt1; aber gerade unser Verfasser scheint von ihr berührt zu sein; denn er hofft nach V.26, daß ״Gott das unserer Seele Entsprechende uns erlaubt, das ihr Widerstrebende verboten hat2“ — eine sehr beachtenswerte Parallele zu einzelnen rabbinischen Versuchen, die Beschränkung der Geltung der Ritualgesetze auf Israel aus dessen Eigenart zu begründen3. Von diesen beiden Begründungen tritt freilich die zweite, materiale, stark zurück, die formale, also die Forderung, die subjektive Ueberzeugung allen Hindernissen zum Trotz durchzuführen, überwiegt derart, daß die Helden des Buches bekanntlich auch von Christen, die die Speisegesetze nicht hielten, als Vorbilder der Glaubenstreue gefeiert wurden. Andere Gedanken treten im Aristeasbrief hervor. Nach § 142 hat uns Gott mit Reinheitsgesetzen in Speise, Trank, Berührung umhegt, damit wir nicht durch Gemeinschaft mit anderen uns beflecken und durch Verkehr mit Schlechten verdorben werden. Das ist derselbe Gesichtspunkt, aus welchem nach Josephus Krieg II 488 die heidnischen Diadochen den Juden gesonderte Siedlungen gegeben haben sollen. Um nun aber die Speisegesetze im einzelnen zu rechtfertigen, die Moses doch nicht aus ״Rücksicht auf Mäuse und Wiesel gegeben haben kann“, erklärt er, sie sollten uns Gerechtigkeit lehren; denn die verbotenen Vögel seien sämtlich wild; indem Moses sie unrein nannte, wollte er uns vor Gewalttat warnen (144 ff.). ״Denn wenn man sie nicht einmal anrühren4 darf, wie 1 Ueber den Individualismus des Panaitios, dessen unmittelbare Wirkung auf unseren Verfasser freilich nicht in Frage kommt, vgl. Heinemann, Poseidonios’ metaphysische Schriften I 87, II 9. 2 Gemeint ist natürlich: uns als Juden (nicht als Menschen). Auch nach talmudischer Auffassung (z. B. Ab. s. 67b) beziehen sich die Speisegesetze nur auf genußtaugliche Nahrungsmittel. 3 Man denke insbesondere an den bekannten Midrasch (Sifre Deut 332), nach welchem Gott die Thora erst anderen Völkern angeboten hat, diese sie aber als ihrer Eigenart widerstrebend abgelehnt haben. 4 Die Berührung ist Lev 118 verboten; doch gilt das Verbot nach rabbinischer Anschauung (R; hasch. 16b) nur für die Festzeit, während deren