Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 152)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2721055--151-2727097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kynische Quelle 149 ist es freilich verständlich, daß Phiions Vorgänger sich als Juden der kynischen Botschaft sehr nahe fühlten. Eben weil sie aber die hellenische Mahnung als Juden auf fassen und dem Ganzen ihrer jüdischen Eebens anschauung ein verleiben konnten, deuteten sie nun das Judentum vom Hellenentum aus um, stellten also die sozialen Werte weitaus in den Vordergrund und lehnten es nicht einmal ab, sich die Urzeit* 1 etwas abweichend von der Bibel vorzustellen und den Festritus anders zu deuten als die Masse. Daß diese ihre Auffassung des Judentums — denn eine solche Gesamtanschauung schimmert jetzt unverkennbar hinter ihrer Festdeutung durch — völlig einseitig ist und, von Einzelheiten ganz abgesehen, dem religiösen Charakter des Judentums nicht im entfemtesten Rechnung trägt, ist gewiß unverkennbar. Wie leicht aber selbst Männer, die auf viel höherer wissenschaftlicher Warte stehen, durch den unzweifelhaft vorhandenen sozialen Einschlag in der jüdischen Religion sich zu ganz ähnlichen Versuchen verleiten lassen, das Judentum aus sozialen Zeitströmungen zu deuten und geradezu als Religion der sozialen Ethik zu betrachten, zeigt in der Gegenwart kein geringerer als Hermann Cohen. Es ist kein Zufall, daß er genau wie unsere Kyniker den Sabbat mit dem Tage des Saturn gleichsetzt und das Gebot des Deuteronomiums so zitiert: ״auf daß dein Knecht und deine Magd ruhe wie du . . . Darum hat dir Gott den Sabbat geboten2“. Hier erwächst im hellen Eichte des Bewußtseins dieselbe Ueberzeugung wie halb unbewußt vor 2000 Jahren: daß man das gegen Norden, NJbb. Sppl. XIX 386 ff. und demnächst Heinemann, Herakleitos (Briefe) in RE Snppl. V. 1 Der Adam der Bibel ist bekanntlich weder so unschuldig noch so selig wie die Urmenschen unserer Kyniker. Daß sich aber die gleiche, ja, eine noch erheblich weitergehende Idealisierung des Urmenschen im apokryphisch-rabbinischen Schrifttum trotz weit größerer Schriftgebundenheit findet, bedarf für den Kenner nicht des Nachweises; Eernerstehende seien auf die Jüdische Enzyklopädie des Verlags Eschkol I 764 ff. verwiesen. 2 Kleine Schriften II 50 ff.; III 172 (aus der Frühzeit); I 301; etwas behutsamer I 24 f., 27.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.