Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2721055--148-2727094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 § 4. B. 2. Jüdisches und Griechisches in der Festdeutung das ״Israel im Fleische41 jener Seligkeit teilhaftig war, die den echten Feiertag ausmacht, so gewiß ist das recht verstandene Judentum mit seinem monotheistischen, dem Ueberschwang heidnischer Feste abgekehrten Gesetz der Priester der Menschheit (163 ff.). Aber freilich ist der Festtag nur für den Alltag, der Priester nur für die Menschheit da; wie sich der Blick unserer Kyniker in geschichtliche Femen zurückverliert, da es nur ein dauerndes Fest aller Menschen gab, so ist es mindestens wahrscheinlich, daß sie vor der unausweichlichen logischen Konsequenz nicht zurückschreckten, daß einst wieder der Festtag im Alltag, das Priestertum eines Volkes in dem der Menschheit aufgehen wird. Schon darin, daß von einem Selbstwert der jüdischen Gemeinschaft nicht die Rede sein kann, unterscheiden sich unsere Kyniker von den schlichten Vertretern des Wortsinnes. Damit hängt zusammen, daß die Feste für sie niemals irgendeinen geschichtlichen Sinn haben. Die Bedeutung der Opfer ״für das jüdische Volk44 wird bei Philon nie aus kynischen Gedanken entwickelt; die Beziehung zur Geschichte, die andere Quellen, z. T. im Anschluß an die Bibel, den Diabaterien, den ungesäuerten Broten, den Zelten, ja, dem Trompetenfest geben, entfällt hier gänzlich; alle heiligen Zeiten stehen nur zum Naturlauf in Beziehung; der jüdische Kult trägt hier allerdings (vgl. § 167) rein kosmopolitischen Charakter. Aber auch die Form der Feier ist nicht die landläufige: der Sabbat ist durch die Beteiligung der Freien an der Arbeit der Unfreien, das Herbstfest gar — durch Rückkehr ins Haus zu begehen. Und wie Ethik und Geschichtsbild kynisch sind, so verrät sich auch in der Kühnheit dieses Einspruchs gegen das Ueberlieferte und Geltende jener Zug der napprjaia, der Dreistigkeit, dessen sich die Kyniker rühmten. Nun erhebt sich freilich die Frage, ob diese Vorgänger Phiions wirklich die strenge Durchführung ihrer Auffassung der Feste und des Eebens gefordert haben. Wenn sie es taten, so rücken sie neben die stattliche Reihe jüdischer Eebensreformer, die, mit Rechabiten und Nasim beginnend, zu Therapeuten, Essäern, Johannesjüngem führt; daß sie ihre Reformbestrebungen phüosophisch begründeten,