Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 148)
- Language
- German
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Kynische Quelle 145 nichts Wesentliches. Denn gerade die kennzeichnenden Sätze, auf die wir unser Bild dieser Vorlage aufbauen, heben sich sehr deutlich von Phiions Zutaten und den Auszügen aus den anderen Vorlagen ab. Es ist kein Zufall, daß in dieser Quelle alle Zahlensymbolik fehlt1. Denn der Gedanke an irgendwelche geheimnisvoll im Naturgeschehen wirkende Kräfte, demgemäß an irgendeinen Tiefsinn der biblischen Vorschriften, paßt offenbar gar nicht in ihre Stimmung. Sie ist gar nicht einmal im strengen Sinn des Wortes religiös. Gewiß: was wir haben, verdanken wir nicht menschlicher Kunst (§171), noch weniger natürlich den Göttern des Wahnglaubens, sondern der einen Gottnatur: insofern ist die Lehre des Judentums vom einen Gotte, richtig erfaßt, durchaus zutreffend. Aber das Heil sehen diese Männer weit weniger in innerlicher Verbundenheit mit Gott, als in der Rückkehr zu der äußeren Lebensgestaltung, die die Natur uns gelehrt und um die die Verderbnis der Kultur uns gebracht hat. Ob ihnen jene ״physische“ Betrachtungsweise, die für Philon, für die Allegoristen und anscheinend auch für die Anhänger des Wortsinns das höchste bedeutet, überhaupt wertvoll und nötig schien, muß nach den kümmerlichen Resten ihrer Gedankengänge durchaus offen bleiben; keinesfalls kann sie ihnen genügt haben; nicht die Frömmigkeit, aber auch nicht die bloße Absage an die ״Lust“, sondern die Wiederherstellung der alten Lebensform bildet für sie die Voraussetzung für die Wiederherstellung unseres Glückes und des ständigen ״Feiertags“ der Menschheit. Von den Allegorikem unterscheiden sie sich überdies durch die Stellung zum Gesetz, aber auch zur Gesetzesgemeinschaft, also zu Israel. Wie innerhalb des wahren Feiertags, des Alltags, für die besondere Weihe ausgezeichneter Tage Raum bleibt, so saugt auch die Kosmopolis die jüdische Gemeinschaft nicht völlig in sich auf; so gewiß es naturgläubige Menschen ״unter Hellenen und Barbaren“ gibt (§?44), so wenig unsere Kyniker geglaubt haben können, daß 1 Daß sich für sie zehn Feste ergaben, wird kein Znfallt sein, beweist aber nichts für symbolische Verwendung der Zehn. 10