Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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136 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions Mühen“. Hier ist alles kynisch: die Beschränkung auf das Notwendige1 (wie unbefangen spricht dagegen Philon selbst I 134 und II 173 über die behagliche Lebenshaltung, die den Priestern bzw. uns allen ermöglicht wird!), die Mahnung an das männliche Geschlecht, sich den Mühen des Ackerbaus willig auszusetzen und sich gegen die wpat abzuhärten2, der Hinweis auf die wohlverdiente Erholung3. Es ist also wieder mit Sicherheit die Benutzung der kynischen Quelle festzustellen. Dagegen ist die allegorische Auffassung des Sukkotfestes mit seinen 70 Opfertieren als des Festes der Reife der Seelen־ früchte De mut. nom. 202, De fuga 86, wieder unerwähnt geblieben. Und es fehlt die oben S. 63, 2 erwähnte rabbinische Beziehung jener 70 Opfertiere auf die 70 Völkei־ der Welt, durch welche das Opfer dieses Tages kosmopolitischen Charakter erhält; sicherlich hätte Philon diese Auslegung nicht übergangen, wenn sie ihm bekannt gewesen wäre. — Der 15. Tag des Monats ist nach § 210 mit Rücksicht auf den Lichtglanz des Vollmonds gewähnt. •— Ueber die Nichtbeachtung von Lev 2340 (vier Pflanzen) s. o. S. 99. Das Sehlaßfest ist nach einer Deutung (§ 211) der Abschluß der gesamten Festreihe, nach einer anderen (§ 213) gehört es zum Erntefest, da der Landmann erst nach Vollendung der Einheimsung 1 S. o. S. 107. 2 Die Forderung der Abhärtung gegen die topat ist alt und wohl schon bei Xenophon Mem. II 1, 30; Ages. 9, 5; Oek. 5, 4 unter kynischem Einfluß erhoben. Leute, die ,,der Jahreszeit zuvorkommen, also (entgegen Phiions Vorschrift) zu früh vom Felde nach Hause gehen“,tadelt Dion von Prusa 6,10 f. als ,,Stubenhocker wie die Weiber“ (oixotpocpoi 7}ttov täv fuvaixuiv); vgl. auch 70, 2 gegen weibisches Benehmen; dazu E. Weber, De Dione Chr. 104 ff. Auch Hierokles S. 63 Arnim setzt eingehend auseinander, daß die Mühen des Ackerbaus nur Männern zukommen. Wenn also auch Antisthenes (Fg. 53 D. La. VI 11) nur eine Tugend für Männer und Frauen kennt und erst Panaitios der Differenzierung der Plichten nach Alter und Geschlecht grundsätzliche Bedeutung zugesprochen hat, so waren doch Kyniker und ältere Stoiker (zu ihrer Richtung gehört Hierokles) vernünftig genug, Unterschiede der Beschäftigung anzuerkennen. 3 Vgl. Joel, Der echte und der xenophontische Sokrates II 96.