Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 136)
- Language
- German
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Vers öhnungs tag 133 es verstanden hat, aus den sehr verschiedenartigen Deutungen der Quellen ein Ganzes zu formen. Irgendwelche Spruen jüdischer Ueberlieferung sind nicht zu merken. Zwar erklärt auch Maimuni1 — ähnlich Phiions letzter Deutung — der Versöhnungstag solle ein Tag ׳׳ der ״vollkommenen Gottesverehrung“ sein; deshalb sei ״jeder leibliche Genuß und alles, was zum Vorteil des Leibes dient“, verboten. Aber beide Denker schöpfen aus denselben platonischen Voraussetzungen, die Philon am radikalsten formuliert in dem Satze: ״Wenn die Sinne wachen, schläft der Geist2“; wenn also die Deutung nicht von Philon selbst stammt, so ist sie aus platonisch-neupythagoreischer Quelle geflossen. Dagegen entspricht das Lob des Fastens unzweifelhaft der Anschauung des Kynismus, der seit Antisthenes das Fasten für verdienstlich und löblich hielt3; es entspräche der Denkweise der uns bekannten kynischen Quelle, wenn sie in dem Gebote, am Versöhnungstage zu fasten, eine über den einen Tag hinausgehende Lebensregel gesehen hätte. Um so eher mußte Philon freilich fürchten, in die Reichweite des Spottes zu gelangen, den griechischer Mutterwitz gegen die kynischen Sonderlinge richtete: ״Er lehrt das Hungern und wirbt Schüler an4“; er rückt also von seinen kynischen Freunden merklich ab, wie ein paar Generationen später der Rhetor Dion von Prusa, der ihnen auch viel verdankt5, und erkennt der Nahrungsenthaltung am Versöhnungstag nur denselben mittelbaren Wert zu wie der Arbeitsenthaltung am Sabbat (§ 60 ff.), indem er auch hier auf die gottesdienstlichen Veranstaltungen hinweist (§196). Ueberdies 1 More III 43 (Treitel, Phiionische Studien 58). 2 Leg. all. II 25 und Anm.; Leisegang, Der heilige Geist 175 ff. Daß Philon nicht die Lehre des Poseidonios wiedergibt, wenn er auch an einzelne seiner Aeußerungen anknüpfen mag, glaube ich Pos. met. Sehr. II 472 gezeigt und den Einfluß des Neuplatonismus auf Maimuni in meiner ״Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen“ 68 und 71 deutlicher, als insbesondere in Rosins Darstellung seiner Ethik geschehen, beleuchtet zu haben. 3 Joel, Der echte und der xenophontische Sokrates II 24, 7. 4 Ilstvyjv oiBdaxs׳. xat t1a07]׳:a£ Xa^ßavsi Philemon Fg. 85 Kock. 5 32, 10; 34, 2.