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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 135

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 135)
Language
German
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132 § 4. B. I. Analyse der Deutungen Phiions Höchst merkwürdig ist die Behandlung des Fasttages, wie man den 55V er söhn ungstag‘6 in Alexandrien anscheinend schon lange1, nicht aber in Palästina2 nannte. Indem Moses den Tag des Fastens als ״Sabbat der Sabbate“ bezeichnete, hat er sich zu der Menge und ihrer Auffassung der Feste in Gegensatz gestellt; Fasten erzeugt Selbstbeherrschung und wappnet gegen die Lust (II 193—195). Ferner (soll man fasten), damit man den ganzen Tag mit Gebet verbringen kann (§ 196); endlich, um gerade während der Erntezeit keine Gier und keine Ueberschätzung irdischen Gutes zu beweisen (§ 197—199). Nun kommt eine ganz neue Deutung: die Zehn ist die ״höchste Vollkommenheit“, die alle Proportionen umfaßt3; für den Tag dieser Vollkommenheit ist das Fasten angeordnet — mit Rücksicht auf die Ernährung des Vollkommensten in uns, des Geistes: ״niemand glaube, der Hierophant habe das Hungern, das Unerträglichste aller Uebel, empfehlen wollen“; nur bei Unterbrechung des Nahrungsstromes kann der Geist frei arbeiten; überdies soll uns der Mangel zu dankbarem Bewußtsein der Not führen, die uns erspart geblieben ist (§ 200—204). Das Lob des Fastens am Anfang, die Bedenken gegen es am Ende der Abhandlung, die in keiner Weise gegen einander abgewogen sind, zeigen deutlich, wie wenig Philon 1 S. o. S. 98. 2 Von Jes 583, wo nicht nur der Versöhnungstag gemeint sein muß, und späteren dichterischen Wendungen ist natürlich abzusehen. 3 Wie die Hebdomadenlehre der Rabbinen (s. o. S. 111), ist auch ihre Dekadendeutung von derjenigen Phiions völlig verschieden. Die Aufzählungen zehnmaliger Geschehnisse M. Abot V 1 ff. und in den entsprechenden Abschnitten beider Ueberlieferungen der AdRN (zu denen die Parallelen in Schechters Erklärungen leicht nachzuschlagen sind), begnügen sich durchweg mit Feststellungen des Tatbestandes; auf eine besondere Kraft der Zahl wird nicht reflektiert, auch nicht in dem Ausspruch R. Joses AdRN A § 31 Ende über die 10 gemeinsamen Eigenschaften des Makrokosmos und Mikrokosmos. Von der Philon so geläufigen hellenischen Auffassung der Dekas hat selbst der Vf. des Sefer Jezira, der mittelbar von ihr abhängt, nur eine sehr unzulängliche Vorstellung.

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