Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 130)
- Language
- German
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״Doppeltes Heimatgefühl“ 127 Sehr lehrreich ist übrigens, daß Philon in der Behauptung, das Judentum (der Diaspora) sei nirgends zu Hause1, nicht unbedingt eine Kränkung sieht. Gewiß darf nicht übersehen werden, daß er unter apologetischem Druck schreibt: er muß zu rechtfertigen suchen, daß jeder Jude Anlaß hat, Gott für die Verleihung Palästinas an das jüdische Volk zu danken. Und den Ansprüchen auf das alexandrinische Bürgerrecht, die er mindestens für einen sehr großen Teil seiner Volksgenossen während der Arbeit an den Büchern SpT. vor der römischen Regierung vertrat, tut er durch diese Anerkennung Palästinas als der Heimat der Juden um so weniger Eintrag, da man nach hellenistischer Anschauung durchaus Bürger zweier Tuttetz, sogar im staatsrechtlichen Sinne, sein kann und ein solches ״doppeltes Heimatsgefühl“, wenn man es so nennen will, in der alten Welt nichts Ungewöhnliches war. Immerhin zeigt die Stelle, daß auch der Diasporajude Palästina in gewissem Sinne als Heimat empfand; die Worte im Briefe des Kaisers Claudius, die Juden möchten sich mit der Fülle des Guten bescheiden, die ihnen neben dem Besitz des eigenen Tandes in einer fremden Stadt zuteil wird2, enthalten also, so unfreundlich sie auch den Juden in die Ohren klangen, noch keine unbedingte Anerkennung des antisemitischen Standpunktes und stehen mit Claudius״ Zurückweisung der Angriffe auf das Bürgerrecht, soweit es ihnen zukam, nicht im Widerspruch. Nach einem ziemlich gezwungenen Uebergang erklärt Philon § 171, die Garbe wecke die Erinnerung an Gott, sei aber überdies ״das wohlverdiente Entgelt an die wahre Ursache der Fruchtbarkeit“ — nämlich die Natu r3. ״Denn die Teistungen der Ackerbaukunst sind geringfügig und belanglos, die Gaben der Natur dagegen sämtlich nötig und nützlich.“ Die nähere Ausführung — der Hinweis auf 1 § 168 oti oux aisl 0TC0pd&7jv aX03p.sv01. .. oiaxsXooai xai <jl>q o&vetoi xai dviopoxoi zac, exsptüv sTctpXTjxoTsc xai dXXoxptotc i'fs&psuovxs^ dfaOoi!; dvstoiCovxai. 2 Vgl. Heinemann RE Suppl. V 11 f. und Dessau, Geschichte der römischen Kaiserzeit II 2, 674, wo auf weiteres verwiesen ist. 3 Phiions Ausdruck ,,Gott hat uns zu Gaste geladen‘.‘ § 173 erinnert an Empedokles B 147, wo die Menschen ״Tischgenossen der Götter“ heißen. Wenn er I 118 den Priestern verbietet, den ,,heiligen Tisch“ (ispa xpchcsCa) zu berühren, so erinnert der Ausdruck gewiß an die gleichbedeutende Wendung des Talmud שלחן גבוה Chullin 120a u. ö.; daraus folgt aber keinenfalls seine Vertrautheit mit dem hebräischen Sprachgebrauch.