Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2721055--126-2727072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions 1. zu der Deutung des ersten und des letzten Tages: wir sehen, in welchem Sinne unser ganzes Leben dem Feste entsprechen soll; 2. zu der Schilderung der seligen Urzeit § 42 ff.; in dem Attribut der Naturkost ä§1dorpo<poq steckt der kynisch-stoische Fachausdruck für die dort beklagte Kulturverderbnis, die diaavpoipr]; 3. zu der Deutung des Sabbat, der als Wochentag der Weltentstehung ganz ebenso durch Rückkehr zur Natur gefeiert wird wie hier deren Jahreszeit. Offensichtlich fließt überall dieselbe Quelle. Fraglich ist, ob auch der § 161 folgende Hinweis auf die Schaubrote ihr entstammt, die ״gleichfalls alle ungesäuert sind, ein deutliches Muster unvermischter Kost, die nicht durch Menschenhand zu unserer Lust, sondern von der Natur dem notwendigen Bedarf gemäß hergestellt wurde“. Die Beschränkung auf das Notwendige, insbesondere in der Ernährung1, ist gewiß gut kynisch. Nun aber kennt Philon die gleiche, gewiß naheliegende Zusammenstellung beider Vor- Schriften aus der allegorischen Quelle: nach De congr. § 161—168 sind die ungesäuerten Brote das ״Brot der Peinigung“ (nach Deut 163 äpvoq xaxtoaews לחם עני) und sollen ״zu Bitterkräutem gegessen werden“, weil die Abwendung vom Affekt und die Hinwendung zum Leben der Mühsal [716vo<z) allerdings bittere Ueberwindung kostet2. Gewiß ist die ethische Grundlage hier verwandt, wie ja überhaupt Allegoriker und Kyniker über die Lebensgestaltung nicht sehr verschieden dachten; aber das Brot steht außer jeder Beziehung zu der Frühlingszeit —dafür in bestem Zusammenhang mit dem ״Auszug aus Aegypten“, wie diese Quelle ihn auf faßt —; der Ritus ist über Raum und Zeit hinausgehoben; ob die kynische Quelle, die die ungesäuerten Brote der Jahreszeit entsprechend fand, auch an die Schaubrote erinnert hat, muß also offen bleiben. Wenn Philon weiter das Garbenfest als Feiertag gelten läßt, so steht diese Bezeichnung mit rabbinischer Redeweise nicht 1 Wendland, Philo und die Diatribe 10, 1; 18 ff. 2 Nahe verwandt ist die Auffassung der ungesäuerten Brote als Vermeidung des tuccoc und der Bitterkräuter als bitterer Reue Quaest. in Ex. I § lö.