Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 126)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2721055--125-2727071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kynische Deutung der Mazzot 123 gleichwertig gelten, da er Schmerz, Furcht, Begier und die anderen Affekte aus seiner Seele verbannt hat.“ Der Zusammenhang dieser Deutung mit den Gedanken über den Festtag ״Alltag“ § 42 ff. ist in der Tat so ausgezeichnet, daß wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können: nicht erst Philon hat diese Brücke geschlagen, sondern es geht die dort benutzte Quelle weiter. Es ist also nicht gemeint, daß das Fest zugunsten einer tugendhaften dauernden Lebensführung aufgehoben werden soll, sondern daß es in seiner vorgeschriebenen Eigenart erhalten bleiben soll, um uns ein Leben, wie diese Quelle es wünscht, zu lehren. Alsdann aber muß das Fest selbst als Mahnung zu solcher Lebensführung aufgefaßt worden sein; und daß das ge« schah, zeigt das folgende mit Sicherheit. Für den Ritus der ungesäuerten Brote weiß Philon drei Gründe: erstens den der Bibel, daß der Teig der Eile wegen ungesäuert mitgenommen werden mußte, Jos. Alt. III 317; zweitens den Gedanken, daß der noch unfertigen, erst zu erhoffenden Ernte das ״unfertige“ Brot gut entspricht; wir kommen auf diesen zurück; beide Begründungen sind offenbar mit jener Deutung des ersten und letzten Tages, mit der Mahnung also, das ganze Leben diesem Feste anzupassen, unvereinbar. Als dritte folgt die uns bereits bekannte der ״Erklärer der heiligen Schrift“ (§ 159): die ungesäuerte Kost ist eine Gabe der Natur, die gesäuerte ein Kunsterzeugnis; denn in dem eifrigen Bestreben, das Angenehme mit dem Notwendigen zu verbinden, haben die Menschen das von Natur Unschmackhafte durch ihre Kunstfertigkeit schmackhaft gemacht. Da nun das Frühlingsfest an die Entstehung der Welt erinnern soll und die ersten erdgeborenen Menschen und ihre Kinder die Gaben des Weltalls natürlich unverfälscht genossen, da die Lust noch keine Macht über sie besaß, so schrieb das Gesetz für diese Festzeit die Kost vor, die ihr am besten entspricht, um alljährlich die Funken heilig-ernster Lebensführung wieder anzufachen, dem bedürfnis- und anspruchslosen Leben der Alten durch die Festruhe Ehre und Hoch- Schätzung zu bezeugen und unser Leben nach Möglichkeit dem der Alten ähnlich zu gestalten.“ Diese Erklärung paßt ausgezeichnet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.