Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 122)
- Language
- German
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Neumond 119 Mondphasen und Gezeiten vertraut zeigt1. Daraus, daß die Sonne als das stärkere Gestirn an diesem Tage das schwächere zu bestrahlen beginnt, schließt er § 141, daß auch die Menschen öffentlich ihr Eigentum der Allgemeinheit dienstbar machen sollen; denn die Sterne, dem Juden unbeseelt2 und daher wohl nur in dichterischer Wendung Muster des ״Gehorsams gegen Gott3“, sind dem Hellenen, ja, Philon selbst4 göttliche Wesen und daher Vorbilder gerechten Handelns5; der Inhalt dieser Forderung läßt die Wahrscheinlichkeit durchaus offen, daß die kynische Quelle weiterfließt. Jedenfalls ist die Begründung griechisch; und auch der im folgenden vorausgesetzte, bei Philon oft wiederkehrende Gedanke, daß Anfang und Ende einander entsprechen sollen (hier auf den Monat angewandt), ist m. W. kaum aus jüdischer6, wohl aber aus hellenistischer Quelle7 zu belegen. 1 Genaueres über die Wirkungen des Mondes und deren Erklärung bei Reinhardt, Poseidonios 123. Auch daß die Sonne den Mond bescbeint, wußte er natürlich (DLa. VII145; vgl. auch Gronau, Pos. und die Genesisexegese 140). 2 Allerdings ist natürlich für das volkstümliche Denken die Scheidung beseelter und unbeseelter Wesen mindestens in der Redeweise nicht gerade schroff; vgl. Scheftelowitz, Altpalästinensischer Bauernglaube 32ff.; daraus erklären sich die in der folgenden Anm. besprochenen und ähnliche Wendungen. Aber diese Art der Personifizierung liegt ganz außer Phiions Denkform. 3 So in der nachweislich späten, heute üblichen babylonischen Fassung des Gebetes beim Wiedererscheinen des Mondes (das nicht bei Neumond, sondern erst einige Tage später gesprochen wird) Sanh. 42a ״freudig und willig tun sie den Willen ihres Schöpfers“ und in einer späten, akrostichischen Erweiterung des Sabbatmorgengebetes. Ob die Legende von der Bestrafung des Mondes (Chullin 60b) unter hellenistischem Einfluß steht? 4 Es genügt der Hinweis auf SpL. I 13 ff. 5 Harald Fuchs, Augustin und der antike Friedensgedanke 102; 105, 2; 109, 4; 124. 6 Nach Sota 14a ,,beginnt die Thora mit Liebestat und endet mit Liebestat“, nach Sabbat 30b ״entsprechen im Buch Qohelet Anfang und Ende der Thora“. Aber solchen und ähnlichen Wendungen liegt keine grundsätzliche Forderung zugrunde. 7 Etwa Sen. Ep. 9, 9 initia inter se et exitus congruant.