Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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118 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions Umdeutungen schon auf rein griechischem Boden; so hat man das Fleischverbot der Pythagoreer, wiewohl dessen wahrer Grund bekannt war, in manchen Kreisen als Mahnung zu einfacher Lebensführung auffassen wollen: Diog. La. VIII 13. Bezeichnend ist übrigens, daß Philon die Ausdehnung der Sabbatruhe auf nichtjüdische Arbeiter (Mechilta zu Ex 23^) nicht hervorhebt. Gerade diese Bestimmung hätte er zur Hervorhebung des humanen, übernationalen Charakters der jüdischen Gesetzgebung gut gebrauchen können. Die Behandlung der Siebenzahl gibt Philon Anlaß zur Ein- Schaltung der Bodengesetzgebung, die gleichfalls auf der Wert- Schätzung der Sieben aufgebaut scheint; an sie schließen sich die Erbgesetze an. Auf beides kommen wir zurück. Es folgt der Neumondstag, ״den die Mathematiker sehr genau berechnen“ (§ 140). Von solchen Berechnungen wird man in Palästina wohl schon zu Phiions Zeit gewußt haben; aller Wahrscheinlichkeit nach hat man aber von ihnen keinen Gebrauch gemacht, sondern den 1. Tischri, also das Neujahrsfest (s. u.), und jeden anderen Monatsersten auf Grund von Beobachtungen festgesetzt1. Die Frage, weshalb die Thora den Neumond unter die Feste aufnimmt2, beantwortet Philon mit Hilfe dieser ״mathematischen“ Forschungen. Daß er ihre neuesten Ergebnisse zu verwerten weiß, zeigt § 143, wo er sich mit der erst von Poseidonios entdeckten Beziehung zwischen 1 Schtjerer, GdjV. I 749. 2 Daß man zu Phiions Zeit tatsächlich den Neumondstag, außer durch ein Zusatzgebet, ausgezeichnet, insbesondere sich an ihm der Arbeit enthalten habe, wie man zur Erklärung der tricesima sabbata Hör. Sat. I 9, 69 hat annehmen wollen (Juster, Les Juifs dans 1’Empire Romain I 363, 1), ist aus Philon keineswegs zu erweisen und wegen der Nichterwähnung solcher Aus- Zeichnung in den Apokryphen und im N. T. (Diognetbrief 4, der auch vom Opferkult wie von Bestehendem spricht, beweist natürlich nichts) sowie des Gegenzeugnisses der Mischna höchst unwahrscheinlich. Die Wertschätzung des Neumondes, wie sie Judith 86 und etwa das erste Stück der Pesiqta Rabbati zum Ausdruck bringt, steht auf anderem Blatt.