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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 119

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
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IRI
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116 § 4. £. 1. Analyse der Deutungen Phiions in Erinnerung an die ״Zeit des Kronos“, wie man die goldene Urzeit nannte, Gleichheit der Stände herrschte und sich die Sklaven sogar gelegentlich von ihren Herren bedienen ließen. Zu dieser Auffassung stimmt jene Gleichsetzung mit dem Geburtstag der Welt, deren Quelle wir oben offen ließen, sehr gut, sofern auch aus ihr ein Anlaß folgt, den Sabbat in Erinnerung an die Urzeit und ihre Lebensform zu begehen; in der Tat wird § 70 die Ruhe der Tiere, die dem an stoische Tierverachtung gewöhnten Philon Schwierigkeiten macht, kynischer Ansicht aber gut entsprach* 1, damit gerechtfertigt, daß auch der Ochse ״den Geburtstag der Welt begehen soll“2. Allein wie dem sei — unverkennbar fließt hier dieselbe kynische, lebensreformerische Quelle, die wir in der Behandlung des Mazzotfestes kennen lernten. Die Ruhe der Knechte3 * * * * 8 bedeutet ihr dasselbe wie die ungesäuerten Brote: Rückkehr zur Lebensform der Urzeit. Die Bibelstellen, nach denen der Sabbat an die Urzeit der Welt erinnert, Ex 20u, 3117, mögen diese Kyniker in ihrem Sinne aufgefaßt haben. Und wenn das Verbot der Feldwirtschaft Ex 3421 Freunden des Land- Thulin ebd. 220 ff.; über ihre Begehung in Aegypten Schuba rt, Aegypten von Alexander bis Mohammed 92, in Palästina M. Aboda zara 1, 3. 1 Auf Phiions Stellung zu den Tieren komme ich zurück. Die Kyniker sahen im Hunde gern ihr Ideal; E. Weber, De Dione 111 legt wohl mit Recht Gewicht darauf, daß es von Antisthenes eine Schrift über Odysseus, Penelope und den Hund Argos gab. 2 Nach VMos. II 210 begeht gar der Himmel, die Erde und was sie erfüllt, festlich den Geburtstag der Welt. Das kann und wird mehr als eine jener dichterischen Wendungen über das Einstimmen der Natur in die Freude des Menschen sein, wie wir sie aus jüdischem und griechischem Hymnenstil gewohnt sind. Denn auch dem wissenschaftlich gebildeten Griechen liegt der Gedanke an eine Festfeier der untermenschlichen Natur nicht fern; ,,Poseidonios hat die periodischen Veränderungen im Meer und in den Organismen nicht als passive Reaktionen aufgefaßt, sondern als Handlungen, die aus einer Art Erkenntnis oder Willensäußerung hervorgehen“: Heinemann, Pos. metaph. Sehr. II 336. Freilich kommt der Gedanke bei Philon nur sehr schüchtern zum Ausdruck. 8 Zur Stellung der Kyniker gegen die Sklaverei vgl. Dion Rede X; Joel, Der echte und der xenophontische Sokrates II 564 ff.

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