Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
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Sabbat: Arbeitsenthaltung 113 nach ihr mit größerem Rechte der Freitag oder der Sonntag gelten), zeigt sich in den Sabbatgebeten und in der midraschischen Behandlung des Sabbat, die sehr reichlich fließt, keine Parallele zu Phiions Meinung. Aber auch aus der Zahlensymbolik ist sie nicht abzuleiten; ohne den biblischen Schöpfungsbericht ist sie gar nicht zu verstehen. Wir werden erst später eine Vermutung über ihre Herkunft wagen können. Mit diesen Erwägungen ist aber die besondere Form dieser Aus- Zeichnung noch nicht gerechtfertigt: die Arbeitsenthaltung. Und Philon hat allen Anlaß, dem Vorwurf, daß der Gesetzgeber ״zum Eeichtsinn“ erziehen wolle — die Antisemiten redeten etwas unverblümter von Faullenzerei1 — eine apologetische Bemerkung zu widmen (SpE. II 60ff.). Ein Gesetz, meint er, das ausdrücklich vorschreibt, sechs Tage zu arbeiten, erzieht durchaus zur mühseligen Arbeit, zum 7rouoc, den Kyniker und Stoiker so hoch schätzten. Aber fortgesetzt kann man nicht arbeiten; daher muß man ״den Körper durch Gewährung einer bemessenen Erholungszeit zu gleicher Arbeitsleistung stärken“; auch die Athleten haben ja ihre Kraftpausen. Eine solche Auffassung des ״heüigen Sabbat“ als einer dem Werktag zugute kommenden Erholungszeit liegt dem rabbinischen Judentum ganz fern; der Satz ״der Wochentag bereitet den Sabbat vor, nicht der Sabbat den Wochentag2“ hat weit mehr als nur gesetzliehe Bedeutung; auch wenn man im Mittelalter unter der Einwirkung des Rationalismus die Zweckmäßigkeit der Sabbatruhe schätzen lernte, so blieb doch der Sabbat das Strebeziel, nicht der Ausgangspunkt wochentäglicher Arbeit3 * * * * 8. Anders dachten selbstverständlich die 1 Tac. Hist. V 4; vgl. Seneca bei Aug. Civ. dei 17, 10; Juvenal Sat. XIV 105 f. 2 Beza 2b; vgl. über die Vorbereitung des Sabbat durch jeden Werktag die aus Phiions Zeit stammenden Angaben ebd. 16a (Schammai). 3 Bezeichnend ist, wie Jehuda Hallevi, der Kusari III 10 die Zweckmäßigkeit der Sabbatruhe, freilich mehr vom seelischen als vom körperlichen Gesichtspunkt aus, rühmt, doch in dem Gedicht bei Harkavy II 126 f. das Hinstreben der Wochentage auf den Sabbat als ihren Sinn darstellt. Saadia, Imanat III 2, und Maimuni, More III 43, reden stärker rationalistisch, wissen aber ebensowenig von einem Sinn des Sabbat für die Wochentagstätigkeit. 8