Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721055--114-2727060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
112 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions tragung dieser pythagoreischen Gleichung auf den Sabbat schon vor Philon erfolgt ist, möchte man vermuten1; aber den bereits ermittelten Vorgängern verdankt er sie nicht; die Allegoriker fassen ja den Sabbat als symbolischen Ausdruck dafür, daß bei Gott das Wirken, beim Menschen das Ruhen ist, gemäß der I/eg. all. I 5 f. vorgetragenen Deutung von Gen 22, wo xaTETcauosv bedeuten soll er brachte zur Ruhe, nicht er ruhte; nahe Gesinnungsverwandte von ihnen fanden, daß der Sabbat ״Gottes“ heißt, da nur Gott ״ruht“, d. h. zwar ständig, aber mühelos schafft; beide Auffassungen liegen abseits der hier vorgetragenen; und von kynischer Uebensreform ist hier auch nichts zu spüren. Aber Philon weiß noch einen anderen Grund für die Auszeichnung des Sabbat. Die Sieben, meint er SpD. II 59, ist das laicht der Sechs; was diese hat werden lassen, zeigt jene in vollkommener Reife; daher darf der siebente Tag als Geburtstag der Welt gelten. Die gleiche Auffassung findet sich auch sonst, aber nur außerhalb der allegorischen Schriftei?; Op. m. 89, SpT. 170, II 70, V Mos. I 207, II210. Nach der vorletzten Stelle fanden die Juden in der Wüste die Antwort auf die uralte Frage nach dem Geburtstag der Welt, als am Sabbat das Manna ausblieb und die am Freitag gesammelte Menge sich frisch erhielt. Selbstverständlich stammt diese Frage nicht aus dem Kreise von Juden, denen alles Nähere über die Weltentstehung aus dem Schöpfungsbericht der Genesis feststand, sondern aus den Untersuchungen hellenistischer Astronomen, deren Interesse für die J ahreszeit der Weltentstehung uns noch beschäftigen wird; nicht einmal damit wird man zu rechnen haben, daß dies Interesse bezüglich des Wochentages auf Palästina Übergriff: da die Genesis solcher Aus- Zeichnung des Sabbat gar nicht günstig ist (als Weltgeburtstag könnte 1 Schon Aristobul zieht in seiner Deutung des Sabbat die Hebdomadenlehre heran (bei Eus. XIII 12); aber neuere Versuche, sein Alter zu erweisen, haben mich nicht überzeugt (MGWJ 1929, 432). Auf den Versuch Frau Trojes bei Reitzenstein, Vorgeschichte der christlichen Taufe 343 ff., Brücken von Phiions Vorstellung zu iranischen und abessynischen zu schlagen, ist hier nicht einzugehen.