Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
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Sabbat: Hebdomadenlehre 111 Rabbinismus1 der eigentümliche Zug wissenschaftlicher Zahlenmystik, der in Phiions Behandlung durchweg festzustellen ist, sich aber in seiner Besprechung des Sabbat an unserer Stelle seltsam genug mit Rudimenten polytheistischer Vorstellungen verbindet. Die Sieben, beginnt er (§56), haben die einen Jungfrau genannt, im Hinblick auf ihre unvergleichliche Heiligkeit, ebenso auch mutterlos, weil sie nur vom Vater der Dinge erzeugt wurde als Idee der Männlichkeit, ohne Anteil am Weiblichen. Diese Deutung erwähnt Philon auch sonst; Deg. all. 115 nennt er die Gleichsetzung der Sieben mit der ״ewig Jungfräulichen, Mutterlosen“ offen pythagoreisch; nach Op. m. 100 vergleichen die Philosophen mit dieser Zahl die ״mutterlose Nike und Parthenos, die der Sage nach aus dem Kopfe des Zeus entsprungen sein soll2“ — also natürlich Pallas Athena, wenn auch Philon taktvoll genug ist, den Namen nicht offen zu nennen, um dem Sabbat nicht eine heidnische Schutzpatronin zu geben, — wie er z. B. auch auf die Gleich- Setzung des Dogos mit Hermes deutlich anspielt3, aber den Namen des Gottes in diesem Zusammenhang nicht nennt4. Daß die lieber- 1 Die Mischna Abot V zählt zwischen Dekaden und Tetraden auch einige Hebdomaden auf, ohne daß der Glaube an eine besondere Kraft der Sieben zutage träte. Die Rez. B der Abot de Rabbi Nathan gibt sich damit zufrieden. Die Rez. A (§ 37) fügt einige Beispiele hinzu, die sämtlich von denen Phiions ab weichen und zum Teil, wie die Lehre von den 7 Hypostasen und von den 7 Eigenschaften, mit denen Gott die Welt schuf, auf unphilosophische fremde Einflüsse schließen lassen. Etwas näher kommen spätere Midraschim über das Thema: der Siebente ist Gott lieb (vgl. Btjber zu seiner Pesiqta S. 154b); aber sie stützen sich durchweg auf Bibelverse. Methodisch und inhaltlich nahe kommen erst die Spekulationen des Buches Jezira, das, wenn auch m. E. nur mittelbar, aus griechischer Quelle schöpfen dürfte. 2 Vgl. auch VMos. II 210; De dec. 102; Quaest. in Gen. II § 12; in Ex. II § 46. Über die pythagoreische Herkunft vgl. Roscher ebd. XXIV 1 (1904) 30. 3 Vgl. auch S. 11. Gelegentliche Nennung von Göttern in einer Weise, die nicht als Anerkennung gedeutet werden kann (Belege bei Norden Jbb. für Philol. Sppl. XIX 388), steht zu diesen unbewußten Hemmungen nicht im Widersprueh. 4 Brehier, Les id6es de Philon 107 (nach De somn. I 103 über den Logos als ep’^a).