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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 111

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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IRI
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108 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions ganzen Kosmos als ihre Heimat und alle Weisheitsjünger als ihre Mitbürger betrachtet* 1, doch noch heute ihr lieben als Fest; und wenn jedermann sich ihnen anschließen wollte, also alle Menschen so würden, wie die Natur sie haben will, dann wären die Staaten voller Sicherheit und Seligkeit und der ganze Kreislauf des Lebens bildete ein einziges Fest. Damit ist der Nachweis erbracht, daß es den Feiertag ״Alltag“ gibt, ja, daß darin nicht einmal eine Paradoxie oder Utopie liegt. Denn was heute den Frieden und damit die Festlichkeit des Lebens stört, ist widernatürlich und relativ spät. Der Feiertag Alltag war, solange die Menschheit der Natur gehorchte, — er ist, soweit sie es heute tut, — er kann für alle wiederkehren, sobald sie den Weg zur Natur zurückfinden. Kaum verkennbar klingt daraus die Mahnung, die Urzeit wieder herzustellen2 — in der die kynische Lebensreform gipfelt. An diesen Nachweis hängt nun Philon einige Bemerkungen, die mit dem Thema dieses Abschnittes nicht unmittelbar zu tun haben, ihm aber anscheinend sehr am Herzen liegen. Der Schlechte feiert in Wahrheit nie; er ist nur der Gier fähig, nicht der Herzensfreude (49 f.). Ja, Moses hat darin recht, daß er von ״Festen Gottes“ redet; wirklich feiern kann nur Gott, wenn auch die Freude dem Menschen nicht völlig versagt ist (51 ff.). Solche Sätze kennen wir — aus den allegorischen Schriften3; auch die Deutung des Lachens und Leugnens genes, dem Gründer des Kynismus. Er gehört zu Phiions Zeit gewiß nicht mehr dem rein kynischen Sprachgebrauch an, ist aber ״in der antiken Literatur merkwürdig selten anzutreffen; . . . ganz im stoischen Sinne finden wir ihn mehrfach bei Philon“ (Mewaldt, Die Antike II 1926, 187). 1 Aus platonischem oder mittelstoischem Gedankenkreis schiebt Philon § 45 seinen Lieblingsgedanken ein, daß der Philosoph im Reigen der Himmelskörper mitschwingt. Auch § 46 über die TtpoX7]11׳s ist wohl nicht kynisch, aber stoisch (Cic. Tusc. III 29). 2 E. Weber, De Dione Chrys. 117 ff. 3 Vgl. namentlich De sacr. Ab. 111: ״Allein der Weise feiert ein solches Fest, von den anderen auch nicht einer. Denn eine Seele, die Leidenschaften oder Schlechtigkeiten nicht gekostet hat, ist äußerst selten zu finden.“

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