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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 110

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 110)
Language
German
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IRI
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Der Feiertag ״Alltag“ kynisch 107 einem in Festvorbereitungen begriffenen Freunde sprechen ließen: ״Begeht denn nicht ein guter Mensch jeden Tag als Fest?“1 und im Gegensatz zu dem tief unglücklichen Alexander ihren Krates rühmten, der ״mit Bettelsack und schäbigem Mantel, scherzend und lachend, das ganze lieben wie ein Fest verbrachte“2. Ihre radikale Kulturfeindschaft spricht denn auch deutlich aus Phüons folgender Ausführung: Wenn das Gesetz jeden Tag als Fest bezeichnet, so denkt es an das Leben frommer, der Natur gehorsamer Menschen, wie es in der seligen, friedvollen Urzeit vorhanden war3. Und hätten sich nicht die Laster ״eingeschlichen“4, so wäre die Zeit von der Geburt bis zum Tode ein ununterbrochenes Fest. Aber wenn auch Habgier und Feindseligkeit jenem Glück ein Ziel gesetzt haben, so begeht die kleine Zahl der Weisheitsfreunde5, die als wahre Bürger des Welt- Staates6 die Stätten des Verkehrs und Unfriedens verabscheut, den 1 Plutarch, De tranq. an. 20. 2 Plutarch, ebd. 4. 3 ״Da nicht Ares noch Kydoimos herrschten“ nach kynischer Vorstellung Pohlenz RE XI 2009. Auch der Pazifismus des 7. Heraklitbriefes (Bernays, Die heraklitischen Briefe 71 f.), ist kynischen Ursprungs; vgl. meine Behandlung dieser Briefe RE Suppl. V. Gleiches gilt vom 28. Diogenesbrief: Capelle, De Cynicorum epistulis 26. 4 IIap£u7]!Jt£pY]c5av 01 xaxtat• entspricht genau Senecas Wiedergabe einer griechischen Vorlage (Ep. 90, 6) subrepentibus vitiis; die Vorlage könnte Poseidonios sein, aber auch der Kyniker, der für Senecas eigene Korrekturen an Poseidonios bestimmend gewesen ist; vgl. über sein Verhältnis zum Kynismus Oltramare, Les origines de la diatribe romaine 252 ff. 5 E. Schwartz NGG 1908, 539 verwechselt die ״kleine Schar“ bei Philon § 47 mit dem ״Rest Israels“ im Buch Jesaja. In Wahrheit versteht Philon nach § 44 f. unter den ״Kosmopoliten“ aller Völker ״Hellenen und Barbaren“, ganz im Sinne der kynischen Polemik gegen jede Minderbewertung eines Volks, wie sie gerade Schwartz (Rh. Mus. XL 252) dargestellt hat. Ebensowenig ist an den andern von Schwartz notierten Stellen (Sacr. Ab. 124, Migr. Abr. 124) von einem Rest Israels die Rede; durchweg meint Philon den Ueberrest der Urmenschen, auf deren seligen Urzustand der Kynismus beständig zurückgreift; die alte Stoa (Zenon I 262) und selbst Poseidonios (Sen. Ep. 90) geben ihm in weitem Umfang recht. 6 Der Ausdruck xoa\i.o1coXtx7](; stammt höchstwahrscheinlich von Dio-

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