Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
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106 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions Rede sein, daß die Bibel den Alltag einen Festtag nenne. Gewiß beginnt der Festkalender Uev 23 so ״Folgendes sind meine Feste: sechs Tage sollst du arbeiten“ (es folgt der Sabbat); und vollends dem Opferkalender Num 28 f. gibt die TXX die Ueberschrift ״Die Gaben . . ., die ihr mir darbringen sollt an meinen Festen“ (sie las במועדי statt 1(במועדו, SO daß die folgende Behandlung des täglichen Opfers allerdings auf ein ״Festopfer“ bezogen werden kann — aber doch nur bei einem reichlichen Maß guten Willens. Ganz fraglos wird vielmehr hier in die Bibel eine Anschauung hineingedeutet, die von vornherein weltanschaulich feststeht und der der Allegoriker, die einen besonderen Feiertag nicht kennen, nahekommt. Aber doch nur relativ nahekommt, im Vergleich zu der buchstäblichen. Denn das wesentliche, die Iyehre, daß nur der dauernde Freudenzustand Feiertag heißt und die sogenannten Feiertage das Gegenteil wahrer Feier sind, ohne daß ein grundsätzlicher Unterschied zwischen jüdisehen und nichtjüdischen Festen gemacht würde, fehlt ja hier durchaus : die scheinbaren Feiertage treten neben den Alltag. Von Philon stammt diese Zusammenstellung schon deshalb nicht, weil er die jedenfalls kühne, nach damaligen Begriffen geistvolle Umdeutung der Bibel auf den Alltag genauer angegeben hätte, wenn sie von ihm stammte; offensichtlich exzerpiert er einen Vorgänger; und es fragt sich, ob sich näheres über ihn ermitteln läßt. Zu einem deutlicheren Bilde von diesen und den anderen Vorgängern Phiions in der Behandlung der Feste wird die Analyse der näheren Ausführung dieser Tabelle SpU. II 42 ff. führen. Die gedankliche Heimat der!,ehre vom Feiertag ״Alltag“ (§ 42 ff.) ist zweifellos nicht das Judentum, das zwischen Heiligem und Gemeinem bestimmt schied, aber auch nicht der allgemeine Grundzug des hellenischen Denkens, auf dessen Beurteilung der Feiertage wir gelegentlich des Sabbats noch zurückkommen werden, sondern der Ideenkreis der Kyniker, die ihren geistigen Ahnherrn Diogenes zu 1 ,Ev xaitz iopxätQ jtoo zitiert Philon De sacr. Ab. 111; in verstärkender Umschreibung ev Tat«; ijiait; eopxai; De eher. 84.