Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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104 §4. B. 1. Analyse der Deutungen Phiions Kost ist eine Gabe der Natur, die gesäuerte ein Kunsterzeugnis; . . . da nun das Frühlingsfest an die Entstehung der Welt erinnert (§ 151: näheres unten), so schrieb das Gesetz für diese Festzeit die Kost vor, die ihr am ehesten entspricht“. Wir werden auf diese Sätze später eingehend zurückkommen; hier geht uns nicht die besondere Auf־־ fassung des Mazzotfestes an, sondern die Stellung zum Feste überhaupt. Sie steht dem Wortsinn erheblich näher; der Zeitpunkt wird ganz wörtlich genommen, also keineswegs in einen Zustand der Seele aufgelöst; und von etwas wie Sauerteig des Herzens ist keine Rede, sondern von wirklicher Naturkost. Allerdings wird aber das Gebot auch hier nicht aus der Bibel oder nach ihren Methoden begründet, sondern durch die Beziehung zu einer Weltanschauung, die offensichtlich mit der kynischen mindestens nahe verwandt ist. Diese beiden Quellen — die allegorische und die kynische, wie wir sie kurz bezeichnen können — sind die einzigen, die Philon nennt, — gewiß nicht die einzigen, die er benutzt hat. Insbesondere wird er sicherlich aus der apologetischen Diskussion streng wörtliche Rechtfertigungen der Festgesetze gekannt haben. Es fragt sich, wieweit seine Behandlung der Feste sich aus ihnen, aus anderen Vorlagen oder aus eigener Arbeit — Umwandlung oder freier Zutat — Phiions ergibt und was von hier aus für die griechische und jüdische Bildung Phiions und seiner Vorgänger, soweit sie uns erkennbar sind, folgt. Die Allegoriker beherrschen selbstredend den großen allegorischen Kommentar. Nach De Cherubim 85 ff. feiert Gott allein Feste; denn ihm allein eignet Heiterkeit, Friede, Seligkeit; ״unsere“ Feste (die menschlichen, will natürlich sagen: die griechischen1) mit ihrer Un- Sittlichkeit und Prasserei haben mit wahrer Freude nichts zu tun (91 ff.). Es ändert nichts an dieser Grundanschauung, wenn nach De sacr. Ab. 111 auch die Weisen (deren große Seltenheit ausdrücklich betont wird) solcher Freude fähig sein sollen; es wird von hier aus klar, in welchem Sinne die Migr. Abr. erwähnten Erklärer das Fest ״Symbol der Freude“ genannt haben; als ״Zeichen menschlichen 1 Zur Auffassung der Stelle vgl. Heinemann MGWJ 1929, 439.