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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 67

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721055--066-2727012
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68 weithin sichtbaren Ausdruck gegeben. Ueber dieses Engere und Unmittelbare hinaus gilt der Glückwunsch beider Gesellschaften aber auch dem, was das Seminar für die Wissenschaft des Judentums als solche bedeutet. Als eine Bildungsstätte für jüdische Theologen hat das Seminar in der Wissenschaft zunächst das Mittel theologischer Ausbildung gesehen. Aber die Wissenschaft war und ist ihm mehr als das Mittel zu diesem Zweck. Die Wissenschaft der jüdischen Theologie ist in dem echten und vollen Sinne, in dem wahrhafte Theologie auch wahrhafte Wissenschaft ist, hier um ihrer selbst willen angebaut worden, und auch die über das theologische Gebiet hinausgreifenden Aufgaben jüdischer Wissenschaft hat das Seminar in seine Arbeit einbezogen. Von allen Einzelleistungen abgesehen, hat Ihre Anstalt der jüdischen Wissenschaft in zweifacher Beziehung Großes und Bleibendes gegeben. Als die erste größere Anstalt zur Pflege jüdischer Wissenschaft hat sie den Typ des beamteten Trägers dieser Wissenschaft geschaffen, der Lehrer und Forscher in einem ist, und sie hat ihm von allem Anfang an ein so hohes Niveau gegeben, daß der Professor jüdischer Wissenschaft — mag er diesen Namen tragen oder nicht — ebenbürtig neben dem Vertreter aller anderen Wissenschaften stand. In dem Ideal, das sie damit aufgestellt hat, ist sie, wie in so vielem anderen, für alle späteren Anstalten mustergebend geworden. Sie alle haben dieses Ideal übernommen und die gleiche Forderung an sich gestellt. Das Zweite, was ich im Auge habe, ist damit eng verwandt. Der Begründer des Seminars, Zacharias Frankel, hat auch in pädagogischer Hinsicht die Wissenschaft nicht als bloßes Mittel angesehen. Die wissenschaftliche Schulung sollte den künftigen Rabbinern nicht nur die Grundlage für ihre Berufstätigkeit geben. Für Frankel war wissenschaftliche Forschung und Produktion ein Teil der rabbinischen Aufgabe selbst. Wenn man auf die ersten Dezennien des Seminars zurückblickt, wird man bewundem müssen, in welchem Umfange dieses Ziel erreicht worden welche Fülle von wirklichen Gelehrten aus diesen ersten Hörergenera־ tionen des Seminars hervorgegangen ist. Daß es so glänzend nicht geblieben ist, liegt an dem Wandel der allgemeinen jüdischen Verhältnisse, von dem alle anderen Anstalten ebenso wie das Seminar betroffen worden sind. Die Gunst der damaligen Bedingungen ist nicht wiedergekehrt, das Ideal aber ist unverändert geblieben, und unsere Wissenschaft ist immer noch auf die junge Generation angewiesen, die an den theologischen Anstalten heranwächst. In langer Tradition hat das Seminar mit seiner praktischen auch seine wissenschaftliche Aufgabe erfüllt. Lassen Sie mich mit dem Wunsche schließen, daß es der Wissenschaft des Judentums lange weiter zu dienen bestimmt sei, daß ihm die ewige Jugend der Wissenschaft ebenfalls bleibende Jugend verleihe!

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