Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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64 Bedingung für die Aufnahme in diese neu entstehende Anstalt das Reifezeugnis für die Universität forderte — damals war es noch nicht so selbstverständlich, daß zahlreiche jüdische Jünglinge das Gymnasium besuchten, das Reifezeugnis erlangten und sich dem Wissenschaftliehen Studium der jüdischen Theologie zu weihen wünschten. Und er hat auch die andere vorhin schon erwähnte Forderung hinzugefügt, daß den Studierenden des Seminars zur Pflicht gemacht wurde, die Universität zu besuchen. Er hat auch an die zu berufenden Lehrer des Seminars den Anspruch gestellt, daß sie auf der Höhe der Wissenschaft stehen, welche von den Lehrern der deutschen Universitäten gefordert wird, er hat die Lehrer des Seminars angehalten, nicht nur Lehrer zu sein, sondern auch Forscher und Darsteller. Und über das vorübergehende Wort hinaus haben ihre bleibenden wissenschaftlichen Werke außerordentlich befruchtend und anregend gewirkt und wirken so bis auf den heutigen Tag. So ist der Typus des modernen Rabbiners geschaffen worden, der mit einer ernsten wissenschaftlichen Bildung an seine Lebensarbeit heranging. Wenn er das Seminar verließ, hat vielleicht mancher von uns das Empfinden gehabt, daß er nicht genug Wissen mitnehme, um in seinem Beruf richtig zu wirken — eine Klage, die letzten Endes allen deutschen Akademikern gemeinsam ist. Aber das Seminar wollte uns mehr geben als Wissen, es hat uns Wissenschaft mit auf den Weg gegeben, den Drang, weiter zu arbeiten und zu forschen, die Fähigkeit, uns selbst weiter zu bilden, uns in eigenem Bemühen die Kenntnisse arizueignen, die für das Amt notwendig sind, diese Kenntnisse auch immer zu erneuern und zu erweitern. Dieses Streben nach Persönlichkeit, das ist die Erziehungsaufgabe gewesen, welche das Seminar von Anfang an betont hat. So ist es gekommen, daß dieses Seminar allen gleichartigen Anstalten Vorbild geworden ist, daß alle Anstalten, die nachher entstanden sind, nach dem Muster des Seminars sich organisiert haben. Es ist kein Geheimnis — ich darf es heute nach 60 Jahren gewiß ruhig aussprechen —, daß unsere Hochschule aus einem gewissen Gegensatz zum Seminar heraus gegründet worden ist. Aber die Hochschule konnte nicht umhin, unter ihren ersten Lehrern einen der hervorragendsten Zöglinge des jüdisch-theologischen Seminars zu berufen, und sie ist in enger Verbindung mit ihm geblieben, nachdem er als Lehrer an seine Alma mater zurückgekehrt war. Diese Verbindung hat sich erhalten, heute wirken drei Lehrer an unserer Hochschule, die zu den Schülern des Seminars zählen, und wir sind hier erschienen, um auszusprechen, daß wir uns dem Seminar in herzlicher und tiefer Dankbarkeit innerlich verbunden fühlen. Es ist der aufrichtige Wunsch unserer Hochschule,