Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
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62 Leben führenden Lehrstätte auf dem Skopus-Berge sich immer enger knüpfen mögen. Die Berliner jüdische Gemeinde hat an der Jerusalemer Universität einen Lehrstuhl errichtet, um ihrer innigen Verbundenheit mit dem Geist des alt-neuen Landes Ausdruck zu geben. Auch mit dem Breslauer Seminar, dem wir aufrichtig für seine in die Geschichte des Judentums eingezeichnete, jüdisch-kulturelle Leistung danken, fühlen wir uns innig verbunden. Dr. B a e c k, Berlin, für den Rabbinerverband, die Großloge und sämtliche Logen: Meine Damen und Herren! Der Mann, dem die Anstalt, die wir heute feiern, Art und Richtung verdankt, hat sie ״jüdisch-theologisches Seminar“ genannt. Sicherlich hat er mit diesem Namen nicht bei den theologischen Fakultäten unserer Hochschulen nur eine Anleihe machen wollen, indem er, da er das Substantiv, die Fakultät, nicht zu eigen haben durfte, wenigstens das Adjektiv, das Attribut des Theologischen, besitzen wollte. Ihn hat gewiß ein bestimmter, durchdachter Gedanke geleitet, der Gedanke, daß die Anstalt, die zu schaffen war, eine Theologie des Judentums gestalten oder gestalten helfen sollte. Damit spricht er auch zu uns und zu unseren Tagen. Denn danach streben und darum ringen auch wir, nach dieser Theologie, nach diesem, um den platonischen Terminus zu gebrauchen, 100ך\> dcd&at, diesem ״Rechenschaft ablegen“, dem Rechenschaftablegen des Judentums vor sich selber. Diese Theologie des Judentums, sie war und ist so ein Programm, aber sie kann doch auch eine Gefahr sein. Alle Theologie steht in der Gefahr, daß sie ein Surrogat für die Religion wird, ein historisches oder ein homiletisches, oder daß sie eine bloße Approbation für die Religion wird. Es ist Geschichte und Schicksal aller Stätten und Richtungen der Theologie, wie weit sie jene Aufgabe, jenes Gebot zu pflegen und zu verwirklichen vermögen, jenes Rechenschaftablegen der Religion aus sich selber und vor sich selber, vor sich und nicht vor einer Zeit, und wie weit sie in jene Gefahr der Theologie hineingeraten, jenen Ersatz für die Religion nur bereitstellen, mit anderen Worten, ob sie zur Religion heranführen oder nur an der Religion vorbeiführen. Wir alle, die wir in der Arbeit für das Judentum stehen wollen, wir denken voller Dankbarkeit an das, was die Breslauer Theologie gegeben hat. Wir alle, welchen Weg oder welchen Umweg wir auch gegangen sind, wir kommen doch, schließlich, auch von Frankel, von Graetz, von Bemays her. Und wir alten Breslauer, wir erinnern uns oft voll dankbarer Wehmut an die theologische Atmosphäre in dem alten Hause, in seinen Hörsälen