Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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61 an. Wenn gerade ich in ihrem Namen und im Namen der Ica, dieser großen weltumspannenden jüdischen Kolonisationsorganisation spreche, so geschieht es, weil ich der wirtschaftlichen Arbeit in der Gesamtjudenheit die geistig-kulturelle, ebenfalls die Gesamt]udenheit umfassende Arbeit an die Seite stellen möchte, die von Ihrem Seminar ausgeht. Wir wünschen Ihnen herzlich, daß dieser ökumenische Charakter Ihres Wirkens erhalten bleiben möge. Sie haben unter Ihren Dozenten ebenso wie unter Ihren Hörem Ostjuden und Westjuden, Juden aus Nord und Süd. Dozenten und Hörerschaft stellen einen Mikrokosmus des gesamten jüdischen Volkstums dar. Möge das so bleiben für alle Zeiten. Ihre Anstalt macht der deutschen Wissenschaft, ihrer Tiefe und Methodik alle Ehre. Die Lehre, die von hier ausgeht, macht aber nicht Halt an den Grenzen unseres Vaterlandes. Unser Seminar dient dem Judentum der ganzen Welt. Und wenn das deutsche Judentum und seine Institutionen in den Tagen des Krieges und der Inflation durch das amerikanische Judentum, das zum großen Teil ein Judentum osteuropäischer Herkunft ist, Halt und Stütze erhielt, so danken wir dadurch, daß wir mit dem Reifsten und Besten, was an jüdischem Geist hier gepflegt wird, wieder die gesamte jüdische Welt beschenken. Darf ich als eine Bekräftigung dieses Wunsches auf eine der wundersamsten Erscheinungen unserer Tage hinweisen. Die Marranen Portugals — vierhundert Jahre getrennt von Volkstum und Religion — suchenden Weg zurück zum alten Stamm. Und einer der Hörer unseres Breslauer Seminars geht von Saloniki nach Oporto und Braganza und in die Berge Portugals, um den Suchenden dort die Zusammengehörigkeit der Juden auf Erden zu künden. Meine hochverehrten Damen und Herren! Als vor 75 Jahren das Seminar begründet wurde, hat Zacharias Frankel in seiner ersten Programmabhandlung von dem zersetzenden Element der alexandrinischen Exegese gesprochen und nachgewiesen, wie das Aufgehen in der Welt des Hellenismus überwunden wurde durch den Geist palästinensischer Forschung. Was der Altmeister jüdischer Wissenschaft damals von einer längst verklungenen Periode unserer Geschichte ausführte, gewinnt in unseren Tagen, in denen wir wiederum eine bedeutsame Epoche jüdischen Geschehens erleben dürfen, höchste Aktualität. Ihr verehrter Seminarrabbiner war Dozent an der werdenden Hebräischen Universität zu Jerusalem. Sie haben Fühlung zu allen jüdischen Hochschulen der Welt, zu Berlin und Warschau, zu Budapest und Wien, zu Florenz und Cincinnati, zu New York und London. Ich habe den Wunsch, daß die Bindungen des Seminars zu der alten, ewigen Stadt Jerusalem, zu der jeder Jude in Dankbarkeit und Hoffnung sich wendet, zu dieser uralten Stadt und ihrer jungen und doch schon im jüdischen