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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 58

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721055--057-2727003
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59 Dr. Ismar Freund, Berlin, für die Jüdische Gemeinde Berlin: Hochansehnliche Festversammlung! Verehrliches Kuratorium! Verehrliche Lehrerschaft! Es gereicht mir zur besonderen Genugtuung, daß ich, ein Breslauer Kind und ein Zögling der Anstalt, die Ehre habe, Ihnen die Glückwünsche der Jüdischen Gemeinde Berlin zu Ihrem heutigen Ehrentage zu überbringen. Die Beziehungen der Jüdischen Gemeinde Berlin zu dieser Anstalt sind naturgemäß ganz besondere. Hat doch die Gemeinde Berlin nicht nur einen Teil ihrer Führer aus Ihrer Anstalt bezogen, sondern ist sie doch auch jetzt noch bei der Aufrechterhaltung ihres religiösen Lebens in ganz besonderem Maße auf die Unterstützung dieser Anstalt mit ihren jungen und unsere Zukunft tragenden Kräften angewiesen. Hochansehnliche Versammlung! Wenn ich den Glückwünschen der Jüdischen Gemeinde Berlin als der führenden und größten Gemeinde Deutschlands in dieser Stunde bestimmten Ausdruck verleihen soll, so geht der Blick in die Vergangenheit zurück. Was das Wesen des Seminars, was sein Programm, was seine geschichtliche Bedeutung ist, ist nicht nur in der Festrede des heutigen Tages anschaulich und eindringlich zum Ausdruck gekommen, sondern es ist durch alle die Reden gegangen, die wir in dieser Stunde gehört haben. Es ist das ein Beweis dafür, wie klar das Seminar seine Richtung eingehalten, wie eindeutig es seinen Standpunkt vertreten hat. Es ist aber auch kein Zufall, wann und wo diese Anstalt entstand und es ist ein Beweis für ihre historische Notwendigkeit, daß sie aus Zeit und Ort herausgewachsen ist. Die Anfänge des Planes gehen bekanntlich auf das Jahr 1847 zurück. Sie alle wissen, was dieses Jahr in der Geschichte der jüdischen Gemeinden Preußens bedeutet. Es ist das Jahr, das den Juden das Gesetz gegeben hat, auf dessen Grundlagen auch heute noch das jüdische Gemeindeleben in Preußen auf gebaut ist. Es ist in einer Zeit, wo wir dieses Gesetz schon zu Grabe zu tragen im Begriff stehen, vielleicht angezeigt, auf eine Bestimmung hinzuweisen, die mir in dieser Stunde von besonderer Bedeutung scheint, eine Bestimmung, die nur wenig bekannt ist und die doch aus der Vergessenheit gerissen werden soll. Sie spricht von Streitigkeiten über die inneren Kultuseinrichtungen innerhalb einer Synagogengemeinde und obwaltenden Differenzen. Sie erinnert an traurige Zeiten, an Zwist und Unstimmigkeiten in den Gemeinden, an innere Zerrissenheit und Kämpfe und sie verfolgt den Zweck, Maßnahmen zu treffen, um für die Zukunft zu verhüten, was in der Vergangenheit geschehen, das Hineinziehen der staatlichen Behörden in die inneren Streitigkeiten der jüdischen Gemeinden. Verehrliche Versammlung! Es ist kein Zufall, daß diese Bestimmung hineinkam in das Gesetz, die, G. s. D. können wir wohl sagen, niemals bis zum heutigen Tage praktische Bedeutung erlangt hat.

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