Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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56 gesamte Judentum, einig, was hier im Augenblick das Entscheidende ist, in der Grundanschauung und in der Auffassung von der jüdischen Wissenschaft, einig darin, was Herr Dr. Heinemann vorhin ausgeführt hat, daß das Herz des Judentums seine Wissenschaft ist. Darum darf ich in unser aller Namen die Glückwünsche aussprechen. Wir wissen wohl zu schätzen, was es bedeutet, daß in unserer Gemeinde eine solche Anstalt, eine solche Hochschule jüdischer Wissenschaft besteht. Anders war es in früheren Zeiten, wo fast in jeder größeren Gemeinde eine eigene Jeschiwa gewesen ist. Die veränderten Verhältnisse haben das Bild von Grund auf verändert. Nur wenige solcher Hochschulen können im deutschen Judentum bestehen. Hier in unserer Gemeinde ist die älteste dieser Hochschulen. Von Herrn Dr. Heinemann ist in einem Aufsatz in unserem Gemeindeblatt hingewiesen worden — und Herr Dr. Rabin hat in seinem Artikel über Jonas Fraenckel auch noch weiter darauf aufmerksam gemacht und noch ein anderes Moment hinzugefügt — auf die Beziehungen der Breslauer Rabbiner zu dem Seminar, und zwar darf ich das hier aussprechen, beider religiösen Richtungen. Es ist seinerzeit Abraham Geiger gewesen, der schon vor und dann während seiner Breslauer Amtszeit zuerst die Anschauung vertreten hat, daß die jüdische Wissenschaft einer Hochschule bedarf, ohne daß ich auf die von Herrn Dr. Heinemann vorhin skizzierte Unterscheidung eingehe. Es sind dann Männer wie Joel, Guttmann, Rosenthal, die Vorgänger in unseren Aemtem, die mit dem Seminar ihre engen Beziehungen gehabt haben. Heute stehen wir in einer etwas anderen Zeit — auch das ist bereits angedeutet worden — wiederum an einer W.ende der Zeit, hervorgerufen durch eine vollständige Umwälzung auf fast allen Gebieten. Anders ist das Amt des Rabbiners geworden, als es früher gewesen ist. Von dem beschaulichen Studium des Rabbiners — wir klagen alle darüber — ist nur gar wenig übrig geblieben, und wir blicken nicht ohne Sorge gerade auf diese Seite der Veränderung. Mehr und mehr ist auf allen Gebieten der Rabbiner in das praktische Leben hineingedrängt und in die praktische Arbeit getrieben worden. Und hier ergeben sich dementsprechend auch die Veränderungen, die das Seminar iu seiner Geschichte aufzuweisen hat, die Veränderungen auch in der Art der Ausbildung derer, die dann das theologische Amt versehen sollen. Wenn ich dem Seminar meinen Glückwunsch aussprechen soll, so ist es der, daß es sei und bleibe durchtränkt und durchflutet wie wir alle von dem Geiste echten Judentums, durchtränkt und durchflutet von dem felsenfesten Glauben an die Ideale, die einst das Judentum aufgerichtet hat, und die dermaleinst auch weiterhin innerhalb des Judentums und weiter hinaus sich wirksam entfalten werden,