Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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54 wir die große Zahl unserer Bildungsanstalten an unserem Auge vorüberziehen lassen, dann blicken wir mit besonderem Stolz und mit besonderer Bewunderung auf das jüdisch-theologische Seminar; denn alle unter uns, die die große wissenschaftliche Leistung des jüdischtheologischen Seminars beurteilen können, wissen, daß diese Leistung wreit über die Grenzen Schlesiens und Deutschlands hinaus anerkannt wird. Mit der leitenden Idee, wie sie der Herr Festredner gekennzeichnet hat, den Glauben an das Judentum und den Glauben an die wissenschaftliche Forschung hat sich das jüdisch-theologische Seminar auf die Höhe unserer Hochschulen emporgeschwungen und es steht dort durch den Ernst und die Tiefe seiner wissenschaftlichen Leistung an hervorragendster Stelle. Als Vertreter der Stadt ist es meine Pflicht, heute dem großen Bürger unserer Stadt zu danken, der durch seine Stiftungen diese Anstalt ins Leben gerufen hat. Die Zahl der Bürger, die nach dem schönen, eben ausgesprochenen Wort ״Wohltun errettet vom Tode" noch heute handeln, ist Gott sei Dank noch nicht ausgestorben, und gerade die jüdischen Mitbürger unserer Stadt dürfen mit Stolz feststellen, daß in ihren Reihen solche Bürger immer noch zahlreich sind. Ich möchte wünschen, daß sich solche Bürger in Zukunft auch finden mögen, die sich der Pflicht dem jüdisch-theologischen Seminar gegenüber bewußt bleiben, das ja leider, wie wir heute gehört haben, von der Not unserer Zeit nicht unberührt geblieben ist. Möge es gelingen, mit der Hilfe solcher Bürger das jüdischtheologische Seminar auf seiner Höhe zu halten, ja, es weiter auszubauen, damit es auch in Zukunft das bleibt, was es in den 75 Jahren, gewesen ist: eine Stätte wissenschaftlicher Forschung, eine Weisheitsschule, eine Schule tiefster religiöser Erkenntnis. Hugo Lesser für den Verein der Freunde des Seminars: Hochansehnliche Fest Versammlung! Als in der Nachkriegszeit schwere Bedrängnis wirtschaftlicher Art, wie über die meisten wissenschaftlichen Anstalten Deutschlands, so auch über das jüdisch-theologische Seminar hereinbrach, bildete sich eine Notgemeinschaft, die in dem Verein der Freunde des jüdischtheologischen Seminars ihre äußere Form fand. Der Ruf dieser Vereinigung an die jüdische Oeffentlichkeit fand lebhaften Widerhall. Gemeinden und Privatpersonen aus Breslau und dem übrigen Deutschland, den Nachbarstaaten und vor allem die Organisation des amerikanischen Joint eilten zu Hilfe. In dankbarer Ehrerbietung denken wir der Männer, die diese Bewegung eingeleitet: