Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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53 Dresdner Gemeinde eine Trauerfeier beging, führte sein Nachfolger, der Oberrabbiner Wolf Landau, das Wort aus der Schrift an: היום ה1ה נהיית לעם ,,An diesem Tage bist du zum Volke geworden.'* An dem Tage, da Frankel nach Dresden kam, fand sich die Dresdner Judenheit zu einer geschlossenen Gemeinschaft, zu einer Gemeinde, zusammen. Bis dahin waren die Dresdner Juden in einzelnen Gruppen voneinander gesondert und standen teils friedlich, teils auch gegnerisch einander gegenüber. Frankel hat die Einheit geschaffen. Er hat die Gemeinde gegründet, und es war damals die führende Gemeinde Sachsens. Keine andere sächsische Gemeinde hatte bis dahin einen religiösen Führer, einen Rabbiner. Als ich im Jahre 1901 den 100. Geburtstag Frankels zu feiern hatte, konnte ich den Spruch anführen: אשר נתן H ברוך ״ מנוחה לעמו ישראלGepriesen sei der Ewige, der seinem Volke Israel Ruhe gegeben hat." In Frankel war Geist Gottes wirksam. Durch ihn ist der Judenheit Sachsens Ruhe gekommen. Er hat in Verhandlungen mit den Staatsbehörden politisch segensreich fördernd gewirkt und hat die Judenheit Sachsens zu Ansehen gebracht. Glauben Sie mir, hochverehrte Festversammlung, daß ich meinem Gotte von Herzen Dank weiß, daß er mich begnadet hat, diesen Geist Frankels mit meiner schwachen Kraft nach Möglichkeit zu erhalten, in seinem Geiste weiter zu wirken. Es war ein Geist, der Frieden schaffte im Kampfe gegen lichtscheue Finsterlinge auf der einen Seite und gegen nicht minder lichtscheue Stürmer auf der anderen Seite. Er hat die innerste Kraft des Judentums in die Seelen der Angehörigen der Religionsgemeinden Sachsens hineingetragen und belebt. Und ich hoffe, daß diese Kraft segensreich weiter wirkt zur Ehre, zur Förderung und Hebung des gesamten deutschen Judentums. Unser Seminar wird weiter Kräfte ausbilden, daß dieses erreicht werde. Und in diesem Sinne spreche ich in aller Demut und in geziemender Bescheidenheit aus, daß es gelingen möge, die im Judentum aufstrebenden Kräfte zu entfalten und zu stärken zum Segen der jüdischen Gemeinden. Stadtschulrat Dr. Lauterbach als Vertreter der Stadt Breslau: Hochansehnliche Versammlung! Im Aufträge des Herrn Oberbürgermeisters, der zu seinem größten Bedauern heute von Breslau abwesend sein muß, überbringe ich dem jüdisch-theologischen Seminar die herzlichsten Glückwünsche des Magistrats zu seiner heutigen Jubelfeier. Die Beziehungen des Magistrats zum jüdisch-theologischen Seminar scheinen äußerlich lose zu sein. Sie sind aber ebenso herzlich und so warm wie zu allen Bildungsanstalten unserer Stadt. Wenn