Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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51 Studenten wissen, stehen wir Ihnen nahe und arbeiten derart mit Ihnen gemeinsam. Aber es ist nicht nur diese äußere Verbindung, die mich heut als Glückwünschenden gern in Ihre Festversammlung führt. Ausgedehnter und bedeutender sind die gemeinsamen Wege, auf denen wir uns seit Jahrzehnten begegnen. Und ich brauche nur an die Ausführungen Ihres Herrn Festredners und auch teilweise an das, was mein Herr Vorredner, Herr Regierungspräsident Dr. Jaenicke, eben gesagt hat, zu erinnern, um das beweisen zu können. Zunächst einmal ist es die Hochschätzung des Wissens, die uns gemeinsam ist. Sie konnten dem nicht deutlicher Ausdruck verleihen, als durch die Vorschrift, daß diejenigen Herren, die Ihnen auf dem Wege Ihrer Wissenschaft folgen sollen, Studenten der Breslauer Universität sein müssen. Gerade zu einer Zeit, die vielleicht nicht zum eigenen Vorteil das Wissen im öffentlichen Leben wie im Volke oft nur gering achtet, muß es uns beiden, Ihnen wie der Universität, eine Freude sein, beiderseits ein deutliches Bekenntnis zur Wertung des Wissens voraussetzen zu dürfen. Als zweites schätzen wir wohl gegenseitig die Ehrfurcht vor dem Großen, von früher Ueberkommenen. In einer Epoche, die, selbst entwurzelt, die aus den Wurzeln in vergangenen Zeiten entspringenden starken Kräfte leugnen und wegdiskutieren möchte, bedarf es um so mehr der Tradition, der Kenntnis des von früher her bis in die Gegenwart wirkenden Gewaltigen, das sich ebenso in den Erblinien des Menschen, wie .in Geschichte und Philosophie, letzten Endes in jedem großen und wertvollen Handeln und Können auch des heutigen Menschen kennzeichnet. Wie die Universität, so sind Sie, so ist Ihr jüdisch-theologisches Seminar ein Hüter des Bestrebens, das, was früher groß wirkend aufstand, im Wandel der Zeiten auch der Jugend, den Nachkommen als wärmende Flamme zu überliefern. Und als Drittes muß eine Universität, die zwei theologische Fakultäten die ihrigen nennt, Sie grüßen als Weggenossen zu dem großen Ziel, das über allem Wissen liegt. Es ist vorher von den großen Mystikern des Judentums gesprochen worden. Für einen großen deutschen Mystiker, dem Meister Eckhardt, sind ׳erst kürzlich wieder Fäden aufgedeckt worden, die zu zwei der erwähnten Mystiker des Judentums, zum Beispiel zu Maimuni, führen. Meister Eckhardt schrieb, daß die Seele des Menschen, wenn sie in ihrem mannigfachen Suchen einen Ruhepunkt gefunden zu haben meint, sich doch bald wieder abgestoßen fühlt, da das vermeintliche Ziel der Vollkommenheit ermangelt. Sie vermag erst dann zu ruhen, wenn sie alle Vollkommenheit allzumal ungestückt findet. Das ist in Gott allein. — 4•