Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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Begrüßungsansprachen. Regierungspräsident Dr. Jaenicke - Breslau: Ich habe die Ehre, im Namen des Preußischen Herrn Kultusministers, sowie des Herrn Oberpräsidenten, der mich gebeten hat, ihn zu vertreten, die besten Glückwünsche zum heutigen Jubiläum des jüdisch-theologischen Seminars zu überbringen. Ich selbst schließe mich diesen Glückwünschen in meiner Eigenschaft als Ihre Aufsichtsbehörde aufs wärmste an. In der heutigen Zeit wirtschaftlicher Sorgen von einer Schwere, wie sie diese alte Handelsstadt vielleicht seit 100 Jahren nicht gekannt hat, richten sich mit einem gewissen schmerzlichen Empfinden für die Gegenwart die Gedanken in eine glücklichere Vergangenheit, in der vor drei Viertel Jahrhundert ein redlicher Kaufmann in der Lage war, als Endergebnis eines arbeitsamen Lebens ein Vermögen für nicht weniger als drei bedeutende Stiftungen seinen Mitbürgern schenken zu können. Damals waren erst wenige Jahrzehnte vergangen, als in Verfolg der beginnenden Aufklärung die preußische Gesetzgebung der sogenannten Judenemanzipation einsetzte, durch die die ersten Lichtstrahlen einer neuen Zeit in die Dunkelheit und Dumpfheit der mittelalterlichen Ghettos fielen. Aber wie immer, wenn Fesseln fallen und Mauern sich öffnen, Verwirrung der Befreiten die erste Erscheinung ist, so war auch diese Emanzipation begleitet von leidenschaftlichen Kämpfen innerhalb des Judentums selbst und zwar vor allem auf religiösem Gebiete. Aber während anderer Meinungsstreit auf Deutschlands hohen Schulen ausgefochten werden konnte, fehlte für das Judentum eine Stätte, in der der gärende Most der in ihm erwachenden geistigen Störungen sich zu klarem, edlen Weine wissenschaftlicher Erkenntnis wandeln konnte. Zwar wurde in Berlin der Versuch gemacht, einen Verein zu diesem Zwecke zu gründen, aber dieser erlosch bald, und auch das volle Verständnis, das der Gedanke bei der preußischen Regierung, insbesondere bei dem damaligen Kultusminister von Altenstein, fand, brachte dennoch keine Verwirklichung des Wunsches und Planes. Erst einem Schlesier war es vor- 4