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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 41

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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IRI
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42 Wahrheit1“ erschien. Und wie zur Philosophie, so gewann man, freilich erst später, von der Weltkultur aus auch zur jüdischen ״Mystik2“ das rechte Verhältnis; so gewiß Martin Buber ohne seine Verwurzelung in ostjüdischer Frömmigkeit seine Leistung für die Weltkultur nicht hätte schaffen können, so gewiß hat er den ״Weg zum Chassidismus“ nur auf dem Umwege über die nichtjüdische Mystik aller Erdteile gefunden. Neben dieser Entdeckung der Wahrheitsforscher ging die der Dichter her, die erst jetzt ihre Herausgeber, ihre Erklärer, Uebersetzer und Biographen fanden3. Diese Entdeckungen aber übten, gerade weil man sie nicht erwartet hatte, auf Juden und Nichtjuden tiefste Wirkung. Das Urteil nicht jüdischer Forscher über die angebliche philosophische Unfruchtbarkeit des Judentums berichtigte sich von selbst, seit Salomon Munk erwiesen hatte, daß jener Avencebrol, auf den sich die Scholastiker oft beziehen, kein anderer war als der Synagogendichter und Philosoph Salomo ibn Gabirol; das Werk Michael Sachs* über die religiöse Poesie der Juden in Spanien, Vamhagen von Ense gewidmet, stärkte in Heinrich Heines dem Judentum längst entfremdeter Seele jene Sehnsucht nach dem Glauben der Väter, die in seinen ״Geständnissen“ und in den ״hebräischen Melodien“ durch Spott und Scherz ergreifend durchklingt4. — Und doch sind diese unmittelbaren Wirkungen der einzelnen Forschungen nicht die wichtigsten gewesen. Ausschlaggebend war vielmehr, daß erst die Entdeckung der Vielseitigkeit des jüdischen Geistes hinausführte über eine allzuenge Fassung jüdischer Wertmaßstäbe, zu der die Talmudschule allerdings neigte. Wenn diese unter 1 Vgl. die schöne Stelle aus Saadias Einleitung zu seinem philosophischen Hauptwerk, die Rau, MGWJ 1911, 516 vollständig übersetzt, und die in meiner ״Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen“ S. 55 wiedergegebenen Stellen aus Gabirols Dichtungen. 2 Ich setze Anführungszeichen, da allerdings Mystik im strengsten Sinne als ״eine Form des religiösen Bewußtseins, in der die UeberWindung der Trennung zwischen Gottheit und Seele schon in diesem Leben bis zur vollen Wesens Vereinigung ersehnt und gefordert wird“ (Mehlis, Die Mystik 22), im Judentum wegen des Gefühls des Abstandes zwischen Gott und Kreatur nicht möglich ist. Aber im Goetheschen Sinn (Natw. Sehr. 39, 114 Cottasche Ausg.) als Versuch, ״die Geheimnisse der Natur und Vernunft durch Wort und Bild zu lösen“, hat sie für das Judentum stets große Bedeutung besessen. 3 Neuerdings ist, nicht zum mindesten durch das Verdienst des Nichtjuden Frauberger, die Erforhchung jüdischer Bildkunst hinzugetreten. 4 Daß Heine Sachs’ Buch kannte, beweist die Uebersetzung der Verse Charisis auf Jehuda Halevi im Anhang zu den Hebräischen Melodien, die dem Buche S. 287 (der 2. Aufl.) entnommen ist, vgl. Bernefelds Vorwort S. IX.

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