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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
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36 um es kulturfällig zu machen, vertrat Frankel das Recht der Wissenschaft im Judentum und das Recht des geschichtlichen Judentums innerhalb der Kultur. Den Gegnern zur Rechten hielt er entgegen, daß das Judentum bereits im Mittelalter sein Schrifttum mit wissenschaftlichen Methoden gepflegt hatte; die Wissenschaft sei daher ״das Herz des Judentums, aus dem das Blut in alle Adern strömt1“; den Gegnern zur Linken gab er zu, daß am, Baume des Judentums mancher Zweig verkümmert sei, mancher sich übermäßig entwickeit habe, aber der Wuchs selbst war nach Frankels Ueberzeugung gesund; aus seinen eigenen Säften mußte er daher seine Wissenschaft erzeugen — als Frucht und als Same eines lebendigen, kulturoffenen Judentums. Der Glaube an die geschichtliche Erscheinung des Judentums und an die strenge Wissenschaft als deren Pflegerin sind also die Grundlagen der Idee des Seminars. Wie ernst es Frankel mit diesen Grundlagen meinte, zeigt die Wahl seiner Mitarbeiter. Jakob Bernays und Heinrich Graetz waren beides Gelehrte, die den Lehrkörpern der Universitäten, in welche sie später berufen wurden, zu besonderer Zierde gereichten; noch heute erscheint kaum ein Werk aus Bernays’ Arbeitsgebiet, das sich nicht den einen oder anderen seiner scharf geschliffenen Sätze zu eigen macht, kaum ein Buch über ein Thema der jüdischen Geschichte, das sich nicht mit Graetzens Forschungen auseinandersetzt. Aber nicht minder tief wie im wissenschaftlichen Eros wurzelten beide im geschichtlichen Judentum. Gewiß war ihre Auffassung vom Judentum keineswegs die gleiche wie diejenige Frankels: Bernays dachte über Gegenwarts־ fragen konservativer, Graetz stand dem Geiste des rabbinischen Judentums ferner als der Direktor; aber in dem Glauben, durch wissenschaftliche Erkenntnis dem Lebenswillen eines geschichtlich verwurzelten Judentums dienen zu sollen, stimmten sie freudig mit ihm überein. Bernays schloß seine erste Programmabhandlung mit den Worten, das hellenistische Judentum habe ״keinen nachhaltigen Einfluß üben können auf das geistige Leben der Völker, das sich in kräftigen Gegensätzen umschwingt und alle Versuche, das Konkrete durch Kompromiß und Abstraktion zu verflachen, verächtlich zur Seite schiebt2“; für Graetz ist das Wort bezeichnend, das man ihm zuschrieb, er wolle eine jüdische Geschichte schreiben, ״aber diesmal eine, jüdische3“ — nicht im Sinn irgendwelcher unwissenschaftlichen 1 Vgl. ״Das jüdisch-theologische Seminar“ Breslau 1879, S. 70. 2 Ueber das phokylideische Gedicht XXXVI. 3 Vgl. Ph Bloch״,MGWJ 1904, 314, der allerdings den Sinn des Beiworts etwas zu ideologisch auffaßt.

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