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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 24

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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IRI
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25 Perioden mehr geben könne. Schon am Tage der Vollendung erhielt die Natur ihr geschlossenes Inventar, ihren vollen Befund von Kräften und Stoffen, ihren ולא יצבור pH, ihren unabänderlichen Kodex von Gesetzen. Die Worte des Kohelet (Koh 19) ®ואין בל חיש תחת השם sind in diesem Sinne wörtlich zu nehmen. Es gibt nichts neues unter der Sonne. Kein Forscher wird je einen Stoff in der Natur entdecken, ein neues Element, ein neues Prinzip auffinden können, das nicht schon vor 5000 Jahren und noch früher da war. Ebensowenig wird es ihm gelingen, eine Naturkraft oder ein Naturgesetz aufzufinden, das nicht schon vor 5000 Jahren und noch früher seine Geltung behauptet hätte genau wie heute. Die Natur ist wohl ein wundervoller, noch nicht recht erkannter, noch nicht erschlossener, aber schon ziemlich lange abgeschlossener, vollendeter Mechanismus, mit einem beispiellos genauen Uhrwerk, mit einer Triebfeder, die auf viele Jahrtausende hinaus den pünktlichsten Gang des Werkes sichert. Man braucht sich darüber keine Gedanken zu machen. Es wetzt kein Zahn an diesem mächtigen Räderwerk, keine Schraube wird locker. — Wo sollte man nun an diesem unendlichen und regelmäßigen Kreislauf der Weltmaschine feste Punkte setzen und sagen: H i e r ist eine Epoche zu Ende. Von hier ab beginnt eine neue ZeitI — Was bedeutet hier ein Jahrhundert? Und selbst ein Jahrtausend? Man denkt hier unwillkürlich an das Psalmwort (Ps 904) ״ כי אלף שנים בעיניך כיום אתמולDenn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag“. Gehen wir aber zur Geschichte. — Hier ist nicht ein Tag wie der andere. Alles Suchen und Grübeln nach kreislaufmäßigen, mechanistisehen Grundlagen läßt uns hier im Stiche. Weil Geschichte eben kein Ausfluß, kein Abwickelungsvorgang einer längst vollzogenen Schöpfungstatsache ist. Im Gegenteil. Hier befindet sich noch alles im glühenden Flusse des Schaffens; alles ist hier noch im Prozeß des Werdens begriffen. Wer die Geschichte des vorigen Jahrhunderts genau, sehr genau kennt, hat deshalb noch keine Ahnung von dem, was uns das nächste Jahrhundert bringen wird; keine klare Vorstellung auch von dem Geschichtsbild nicht, das sich schon aus dem Leben der nächsten Geschlechter heraus entwickeln wird. Ja, m. s. V., geschichtliches Schaffen ist auch ein wenig unsere eigene Sache. Geschichtliches Schaffen hat mit Vorgängen einer Seelenweit zu tun, deren Schöpfungstage noch bei weitem nicht zu Ende sind. Wir kommen immer noch zu neuen Schöpfungsproblemen, zu neuen Aufgaben, die uns vor ein frisches בראשית stellen, vor Schwierigkeiten und Rätsel, bei denen uns naturgegebene Kraft- und Stofftheorien sehr wenig nützen. — Allerdings untersteht auch geschichtliches Schaffen einer höheren Gewalt. Es geht keineswegs ganz willkürlich vor sich.

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