Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2721055--021-2726967
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

23 unendlich große göttliche Schöpfungstat, der das unbegrenzte Weltall sein Dasein zu verdanken hat, dazu herhalten, daß an ihr Schöpfungen von Menschenhand und Menschengeist gemessen werden? Schon König Salomo empfand das Kühne und Unverhältnismäßige, wenn endliche Menschenkraft sich ans Unendliche heranwagt, sich mit Unendlichem zu vergleichen oder zu messen sucht. Bei Einweihung des Heiligtums zu Jerusalem rief er die denkwürdigen Worte aus (I Kön S27): הן השמיים ושמי השמים לא יכלכלוך אף כי הבית אשר בניתי. siehe die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen, geschweige denn dies Haus, das ich gebaut! Nein, m. s. V., der שבת בראשית soll uns keine bloße Analogie sein, keine Vergleichung im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Eines aber glauben wir in unserem Wochenabschnitt wohl suchen zu dürfen: Aufklärung über den Begriff Schöpfung. Das Wort wird im Alltagsleben sehr häufig gebraucht und nicht selten sehr ungenau, unrichtig. Wir fragen uns nun: Fällt das, was wir hier heute feiern, was den eigentlichen Gegenstand unseres heutigen Festes bildet, unter den Begriff Schöpfung? Können wir es wissenschaftlich verantworten, wenn wir das Wort ,, Schöpfung“ auf die Tat oder Tatbestände anwenden, denen unser Seminar sein Entstehen, sein Bestehen verdankt? Gerade die Jubelfeier, die wir veranstalten und mit Recht veranstalten, gibt nach dieser Richtung hin zu denken. — Bietet etwa auch die Urschöpfung Raum für irgend etwas, das man auch nur annäherungsweise als Anregung zu einem Erinnerungsfest von der Art eines Jubiläums deuten könnte? Gibt es überhaupt in der Natur feste Punkte, bei denen die Menschheit oder ein Teil derselben sich veranlaßt fühlte, stehen zu bleiben und sich zu sagen : Hier ist der gegebene Endpunkt für einen feierlichen Rückblick? Es ist gerade ein Jahrhundert zu Ende oder ein Jahrtausend, und siehe, das. Werk der Natur vollzieht sich in bester Ordnung. Die Sonne ist unermüdlich in der Erfüllung ihrer Pflichten. Tau und Regen befruchten unaufhörlich unsere Fluren, Bäche und Flüsse eilen dahin, in steter Erneuerung segenspendender Kräfte und Schätze. — Bei aller Bewunderung dieser offenkundigen Tatsachen ist es keinem Menschen je eingefallen, den urwüchsigen Naturanbeter nicht ausgenommen, auf runde Jahreszahlen zu achten und nach Ablauf derselben dem Naturwerk zu Ehren eine jubiläumartige Denk- oder Dankfeier zu widmen. Wie kommt also gerade Menschenwerk zu dieser besonderen Form von Beachtung und Würdigung? Diese Frage führt uns zum ersten und, wie mir scheint, zum entscheidenden Unterschied, der zwischen Natur und Menschen werk besteht, oder genauer gesprochen zu dem Unterschied, der zwischen Natur und Geschichte besteht. Es ist ein Unterschied,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.