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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 122

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 122)
Language
German
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IRI
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95 aber bedeutet diese Verschiebung des Schwergewichts vom Kultus ins Rational-Ethische nicht eine Verdrängung der Religion durch Ethik, denn im Kultus vor allem gelangt die Macht der Gottesnähe in ihrem numinosen Gehalt zu tiefstem Bewußtsein. Unzweifelhaft ist, daß die Religion der Renaissance ein Zurücktreten des spezifisch christlichen Lebensinhaltes darstellL und daß die Hervorhebung der ethisch-religiösen Autonomie der Persönlichkeit und die Kulturbejahung der Renaissance eine Annäherung an bedeutsame Lebens- und Lehrinhalte des Judentums bedeutet. Aber auch das Judentum ist mehr und individuelleres als ,,Religion innerhalb der Grenzen der Humanität‘ Und so heben wir die tiefe Spannung hervor, die zwischen der Vernunftreligion der Renaissance und der Offenbarungsreligion des Judentums steht. Auch dem Judentum ist seine Geschichte der Boden seines Gotteserlebens, seine Führer und Lehrer, seine Gesetze und Formen die Kräfte, die jüdische Frömmigkeit formen. Grade darum aber ist auch die jüdische Religion nicht der neuzeitlichen Kulturentwicklung entrückt, die dem Eigengehalt des konfessionellen Bewußtseins nicht bloß die nivellierende Macht der Zivilisation, sondern auch neue geistige Werte entgegenstellt. In einem bislang nicht genügend gewürdigten Ausmaß hat das Judentum durch seinen Geistesbesitz der Bibel und durch seine bedeutendsten Denker, insbesondere Gabirol und Maimonides. aber auch durch die Kabbala, Crescas und Leo Hebräus auf die Entwicklung der europäischen Menschheit vom Mittelalter zur Renaissance eingewirkt. Vor allem aber zeigt die Religions- Philosophie der Renaissance das Auseinandertreten der Weltanschauungen, die seit Philo die religiöse Kultur der europäischen Menschheit getragen haben: der Weltanschauungen der BibeL des Platonismus, des Aristotelismus und der Stoa. Steht die Philosophie der Renaissance im Gegensatz zum Aristotelismus und macht sie der Bibel gegenüber im Anschluß an den Neuplatonismus und die Stoa die Autonomie des sittlichen und religiösen Bewußtseins geltend, so erhebt sich schon, noch poetisch verhüllt, der neue.Naturbegriff der mathematischen Naturwissenschaft. Die neue Naturerkenntnis aber tritt nicht nur der Bibel, sondern auch dem Neuplatonismus und der Stoa in der Philosophie der Aufklärung entgegen. Damit wird nicht nur der Konfessionalismus, sondern auch der religiöse Universalismus erneut zum Problem. Die jüdische Gemeinschaft selbst ist von dem alle europäischen Länder, Italien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande.

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