Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
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93 •ebenso beeinträchtigen, wie sie andererseits der Tugend und der Reinheit zu nahe treten. 7. Wird nicht durch fromme Betrachtungen, heilige Reden und rechtschaffene Handlungen zur Ehre Gottes und zum Wohle des Nächsten Zeit und Kraft besser angewendet, als durch beständiges Schüren aller jener Streitigkeiten, welche auf dem historischen Glauben an die Ueberlieferung der Jahrhunderte beruhen. Ueberlieferungen, die in ihrem Ursprünge so zweifelhaft sind, daß man weder die Folgesätze genügend bejahen, noch auch die entstehenden Bedenken nach dem Kriterium der gesunden Vernunft vollständig lösen und beseitigen kann? Herbert schließt mit dem Wunsche, daß ihn wegen dieser Fragen die Priester nicht schmähen möchten, da er alle vernünftigen Glaubensartikel aufrechterhalten und unter gegebenen Bedingungen in die Seele der Menschen einführen lassen will. In diesen Fragen stellt sich die Kraft des sittlichen Rationalismus machtvoll den Offenbarungsreligionen gegenüber und verficht ihnen gegenüber die überlegene Wahrheit der Vemunftreligion und zugleich die Menschlichkeit gegenüber dem Glaubenshaß und den Religionskriegen, deren Ursache der Sonderglaube der Konfessionen ist. So ergibt sich als letztes und höchstes Problem der Religionsphilosophie der Renaissance das Problem: Ist eine Universalreligion wünschenswert und möglich, und wenn, wie kann sie erreicht werden? Daß eine Universalreligion aus politischen und ethischen Gründen wünschenswert ist, kann so wenig bestritten wurden, daß immer wdeäer seit der Reformation Amenhoteps IV. von Aegypten der Versuch gemacht worden ist, nötigenfalls mit Gewalt die Einheit des Glaubens herbeizuführen. Nun könnte das Mißlingen dieser Versuche daran liegen, daß immer ein ueuer Sonderglaube, nicht aber eine Vernunftreligion zur Universalreligion aufzusteigen strebte. Dem Sonderglauben wullte der Sonderglaube nicht weichen. Wie aber stünde es, wrenn es sich um die Einführung einer Vernunftreligion im Sinne Herberts als Universalreligion handelte? Politik und Ethik scheinen dem nur zustimmen zu können: Aber auch die Religion? Diese nur •dann, wenn die Religion in eine Vernunftreligion umgewandelt wurden könnte, ohne ihren eigenen und eigentlichen Gehalt zu verlieren. Damit ist das Wesen nicht bloß der Religionen, sondern •der Religion selbst zum Problem geworden. So wenig aber wie die Sprache oder die Sitte, die Kunst und selbst die sittlichen Anschauungen und die Wissenschaft der Völker