Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2721039--118-2726939
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

92 das Heil der Menschen besorgt ist und der ihnen die Mittel gab, dasselbe zu erreichen? 2. Gibt es für diese allgemeine Vorsehung und für den Weg zum ewigen Heile auf dem ganzen Erdkreis andere allgemeine Merkmale, als die erwähnten fünf Artikel? 3. Kann jenen fünf Artikeln noch etwas hinzugefügt werden, wodurch die Gottesverehrung eine reinere oder die menschliche Lebensführung eine bessere würde, vorausgesetzt, daß jene fünf Artikel bis in ihre letzten Konsequenzen verfolgt werden? Bildet nicht Gottesverehrung und Lebenslauterkeit den Endzweck und die beste Uebung der Religion? 4. Ist nicht das, was auf die Autorität der sogenannten heiligen Schriften in jedem Zeitalter oder in jedem Lande diesen fünf Artikeln hinzugefügt wurde, in seinem Ursprünge so ver־ dächtig und zweifelhaft, daß es von Andersgläubigen als Beweis unkräftig ganz und gar zurückgewiesen wurde? 5. Gibt es nicht im Schoße jener Sonderkirchen, welche auf die Worte einer heiligen Schrift verpflichtet sind, wieder eine Anzahl von Sekten und Schismen, welche sich auf eine stets wandelbare Auslegung des Schriftsinnes berufen, und treibt man nicht lieber offen die Gemeinde zu mörderischen Kriegen, als daß man von seiner Meinung abläßt? Es ist fürwahr weit besser, einen auf die allgemeine Uebereinstimmung sich berufenden höchsten Richter aufzustellen, als daß man den vergeblichen Versuch macht, durch einen Einzelnen jene Streitigkeiten lösen zu lassen. Mag man immerhin an Weissagungen und Wunder, auf die sich die Priester berufen, glauben; ihre Prophezeiungen sind nicht so deutlich, daß sie ein genaues Bild der zukünftigen Persönlichkeit entwerfen; die Wunder aber können nicht beweisen, daß der Wundertäter auch ein Mitwisser göttlicher Ratschlüsse gewesen sei und von ihm die Macht empfangen habe, eine neue Religion zu gründen. 6. Gäbe es auch wirklich unter den heiligen Büchern eines, welches alle Streitigkeiten schlichten könnte, so müßte man doch immer fragen, ob die neuen Dogmen, welche daraus geschmiedet werden, dem menschlichen Geschlechte zum Nutzen gereichen. Nicht wenige Dogmen gibt es z. B. die willkürliche Prädestination zum Heile oder zur ewigen Verdammnis, die Lehre, daß Verbrechen nur durch den Glauben (ex sola fide) gesühnt werden können, der vollständige Sündennachlaß vermöge der dem Priester übertragenen Schlüsselgewalt, welche die göttliche Vorsehung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.