Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 117)
- Language
- German
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90 Vorsehung zu einer Kundgebung zu veranlassen. 2. soll die Offenbarung eine unmittelbare sein. Was andere als Offenbarung berichten, ist historische Ueberlieferung und beruht nicht mehr auf eigner Gewißheit. 3. muß die wahre Offenbarung stets etwas Gutes bezwecken, hierdurch unterscheidet sie sich von falschen und gottlosen Versuchungen. Endlich soll man 4. den Hauch der Gottheit unmittelbar fühlen, dadurch sondern wir unser eignes Wahrheitstreben von Offenbarungen, die von außen kommen. Sind alle diese Vorbedingungen erfüllt, so kann die göttliche Offenbarung im Schlafen wie im Wachen, in der Ekstase, während des Sprechens, Lesens, oder sonstwie erfolgen.204) Im weiteren Sinne gehört aber zur Offenbarung alles, was uns aus dem Borne der göttlichen Gnade zufließt, also alle jene inneren Regungen, welche auf den Glauben, auf die guten Werke, auf Buße und Besserung Bezug haben, ferner die Reue, die Gebete und alle zu Gott führenden Aeußerungen des Gewissens. Als ihr Ausdruck darf auch jedes fromme Wort, jede gute Tat der Vorzeit in Glauben und Dankbarkeit gegen die göttliche Gnade aufgenommen werden. Der Dekalog enthält z. B. eine Summe von Allgemeinbegriffen, denen Gott im Wege der Offenbarung oder der besonderen Vorsehung eine Erklärung hinzugefügt hat. Jede Art von Geschichte und Ueberlieferung aber hat für unsere Erkenntnis nur Wahrscheinlichkeit, weil der Bericht von der Glaubwürdigkeit des Urhebers abhängt. Es gibt verschiedene Grade der Wahrscheinlichkeit. Alle Ereignisse, die mit der gesetzmäßigen Ordnung der Natur übereinstimmen und sich auf ein allgemeines Zeugnis stützen, sind in höherem Grade wahrscheinlich als Erzählungen von Wundern. Immerhin darf man wunderbare Ereignisse, denen man überall begegnet, nicht leugnen; sie könnten eintreten, sobald es Gott wollte. Nur der Gegensatz zu den ewigen Wahrheiten ist ausgeschlossen. Die ewige Wahrheit aber kann nicht durch Ueberlieferung allein, die bestenfalls wahrscheinlich ist, sondern nur mit Hilfe der Allgemeinbegriffe und kraft des direkten göttlichen Beistandes erkannt werden.205) Unter allen Büchern gebührt der heiligen Schrift der erste Rang; sie muß um ihres geheiligten Gehaltes, wie um des Trostes willen, den sie uns gewährt, als ein von Gott stammendes Werk in frommer Verehrung, als eine Schutzwehr auf genommen werden. Sollte jedoch in ein geheiligtes oder profanes Schriftwerk im 20ף Güttler a. a. O. S. 69. 205) Güttler a. a. O. S. 70.