Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721039--112-2726933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

86 So stehen wir hier an der Grenze, wo die Religion der Renaissance auch da, wo sie dem sittlich-rationalen Gehalt des Judentums ganz nahe steht, als Religion des ethischen Humanismus im Begriffe steht, die Offenbarungsreligion ganz hinter sich zu lassen, an der Wende von Religion zur Aufklärung. HERBERT VONiCHERBURY In die Epoche der Aufklärung ragt unmittelbar der Denker, in dem der ethische Humanismus der Renaissance seine geschlossenste Ausprägung ,findet, Lord Herbert von Cherbury (1581—1648). Die entscheidenden Einflüsse auf seine Bildung empfing der in einem unruhigen Leben viel umhergetriebene Mann in Paris. Hier verkehrte er mit dem berühmten Philologen und Bibliothekar Heinrichs IV., Isaak Casaubonus. Als Zeuge der Hugenottenkämpfe wurde er von tiefem Widerwillen gegen die einander blutig befehdenden Kirchen erfaßt und strebte, unabhängig von aller Autorität selbständig die Wahrheit zu finden, die allgemein gültig ist und wahrhaft zum Heile führt. Sie findet er im Anschluß an die römische Stoa, die im französischen und niederländischen Humanismus zur erneuten Geltung gelangt war. Alles was seine Glaubwürdigkeit von der allgemeinen Uebereinstimmung der Menschen herleitet, ist notwendigerweise wahr und kommt kraft eines allgemeinen psychischen Vermögens, des natürlichen Instinkts zustande. Dieser Instinkt ist ein Werk der göttlichen Vorsehung und bedeutet die innere göttliche Offenbarung des Heilsweges. Er durchwirkt die ganze Natur, waltet in den Elementen, Mineralien, Pflanzen, Tieren als Entwicklungstrieb, der die Tätigkeiten der Gattungen und Arten unter der Idee ihrer Erhaltung und Entfaltung regelt. Im Menschen ist er der Naturtrieb, der die allgemeinen Begriffe hervorbringt, die Grundlagen des geistigen Lebens der gesamten Menschheit sind. Es ist weder der Zufall, noch die Erfahrung, welche uns in den Besitz der Allgemeinbegriffe gesetzt haben, sondern sie sind Teile göttlicher Weisheit und vom Schöpfer auf uns übergegangen.198) Es widerspricht ebenso der Frömmigkeit wie der Ehrfurcht, die wir der Vorsehung schulden, wenn manche die Natur von Grund aus verdorben sein lassen, bloß um die Gnade Gottes um so höher zu erheben. Ist diese Gnade allgemein, so gehört sie gleichfalls 198) Herbert: De veritate, S. 42 ff.; C. Güttler: Eduard Lord Herbert von Cherbury, München, 1897, S. 27 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.