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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 111

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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IRI
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84 gipfelt.194) Auch hier aber ist es ebenso wie bei Toralba. Nicht die Metaphysik, sondern die religiöse Ethik steht im Vordergründe des Interesses. Darum betont Salomo stärker als Maimonides die rational-ethische Aufgabe des Menschen gegenüber der Vervollkommnung der metaphysischen Gotteserkenntnis. Damit steht Salomo dem Wesensgehalt des Judentums näher als selbst Maimonides, da die religiöse Ethik in Wahrheit der Kerngehalt des Judentums ist. Hingegen ist seine Begründung des Kultus als Akkomodation an die Fassungskraft des Volkes und zum Zwecke der partikularistischen Abschließung des Volkes zwar in Uebereinstimmung mit Maimonides, aber in rationalistischer Täuschung über Sinn und Gehalt des Kultus befangen. Der Kultus gehört nicht zum Außenwerk der Religion, sondern ist die Stätte der stärksten Empfindung der Gottesnähe. Damit aber ist der Kultus zugleich die Gefahrenzone, wo Symbol und Wesen, Gefühl und Dogma sich ineinander verwandeln können. Octavius und Senamus verlieren neben diesen Zentralgestalten an Bedeutung, sind aber gleichfalls scharf umrissene Individualitäten des neuzeitlichen Geisteslebens. Octavius wie Salomo Toralbas Rationalismus nahestehend bei Bewahrung seines Sonderglaubens, Senamus weltmännisch bereit, in jeder partikulären Religion den Vernunftgehalt der Religion anzuerkennen. Und welcher der streitenden Parteien schließt sich Bodin selbst an? Daß kein Vertreter einer positiven Religion mit Bodin identisch ist, versteht sich von selbst. Aber warum steht dann Senamus neben Toralba, der Politiker neben dem Rationalisten? Dilthey ist geneigt, grade in Senamus Bodin selbst zu sehen, der als Politiker über den Parteien steht, bereit, eine jede positive Religion als wahr anzuerkennen, wenn sie nur der Forderung der Toleranz genügt und alle positiven Religionen in Frieden und *Eintracht auf dem Boden eines heiligen Lebenswandels miteinander wetteifern.195) Das würde dann eine gleiche Stellung bedeuten, wie sie Lessing den drei Religionen gegenüber einnimmt. ,,Aber der Gottheit wird jeder Mensch angenehm sein, der sie mit reinem Sinne verehrt, wenn auch seine besonderen Vorstellungen von dieser Gottheit gänzlich irrig sind/‘196) m) Für Bodins weitreichende *Kenntnis des Maimonides vergl. Jacob Guttmann: Ueber Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum, MGWJ., 1905, S. 477 ff. 195) Dilthey: Weltanschauung und Analyse des Menschen der Renaissance, Ges. W. II, S. 106. 196) Heptaplom. S. 41.

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