Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 110)
- Language
- German
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83 Vernunft, die Toralba leitet, ist nicht ein frivoles, subjektives Raisonnement, sondern die Macht wissenschaftlicher Erkenntnis. Nur leise angedeutet, aber doch deutlich spürbar, treten hinter seiner religiösen Stellungnahme die Umrisse eines Welt״ bildes hervor, das sein neuplatonisch-stoisches Gepräge erkennen läßt. Der gütige Gott in ewiger Unveränderlichkeit seines Geistes der Schöpfer und Beherrscher der Welt, die Schar der Engel und Dämonen als Vermittler zwischen Gott und Welt, die Welt Ausdruck der göttlichen Güte in der Vollkommenheit ihrer Ordnung, der Mensch ein Ebenbild Gottes zur Entfaltung seines Geistes und zur sittlichen Bewährung seines Willens bestimmt. Der Universalismus der göttlichen Weltregierung hat sein Aequivalent im ethischen Universalismus, der die Bestimmung des Menschen ist. Die Freiheit des Menschen ist seine Kraft, seiner Vernunft zu folgen, die sich unter dem Schutze Gottes entfaltet. Das Ziel des Menschen ist die Harmonie von Vernunft und Glückseligkeit. Dieser rational-ethische Humanismus ist der Weltanschauung des Marsilius Ficinus, Pico von Mirandola und Leo Hebraeus wesensverwandt. Und doch tritt eine bedeutsame Verschiedenheit hervor. Stärker als die italienischen Natur- Philosophen ist der französische Politiker Jean Bodin, der Zeitgenösse der Religionskämpfe in Frankreich, von dem Gefühl der Verpflichtung erfüllt, die Vernunft in die sozial-politischen Verhältnisse der Menschheit eingreifen zu lassen. Damit wird der rational-ethische Charakter der Vernunft ihr Wesensgehalt, die Naturmetaphysik, der religiöse Liebesenthusiasmus treten zurück. Inmitten der religiös-politischen Wirrnisse der Zeit leuchtet das Ideal der allem Aberglauben enthobenen Vernunftreligion, verkündet die Vernunft die Naturreligion der gesamten Menschbeit. Diesem in der Wirklichkeit des Lebens wirkenden Humanisten tritt der Jude Salomo zur Seite. Ganz erfüllt vom Bewußtsein der rationalen Ueberlegenheit des Judentums über die Dogmatik des Christentums, heimisch in den Traditionen des Judentums und seinem Schrifttum, aber kein Ghetto-Jude, dem Bibel und Talmud die einzigen Quellen des Geistes bedeuten, sondern voller Sympathie sich Philo, Maimonides, Leo Hebraeus anschließend und auf sie verweisend: Insbesondere ist Maimonides sein Führer in der Welt des Geistes, in der Verbindung von Theologie und Metaphysik auf der Grundlage der rationalistischen Schrifterklärung, in der Lehre der negativen Theologie, die in der strengen Betonung der Einheit und Unkörperlichkeit Gottes