Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 105)
- Language
- German
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78 Auch die Makellosigkeit des Lebens Christi als Beweisgrund seiner Göttlichkeit wird bestritten, da es tadelnswert sei, mit Schlechten zu verkehren wie Christus es getan habe. Die Lehre Christi aber: Tue keinem anderen, was du nicht willst, daß dir geschehe, und die Forderung, für die Feinde zu beten, erweise Christus nicht als göttlich. Denn so führt Salomo aus: ,,Aber unerträglich ist es, daß Lucas mit dem göttlichen Gesetze unredlich umzugehen scheint mit diesen Worten: Es ist bei den Alten gesagt: Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind. Diese letzten Worte finden sich nirgends in dem göttlichen Gesetze, noch bei einem Propheten, sondern das ganz entgegengesetzte Interdict: Hasse niemanden mit innerlichem Groll, sagt das Gesetz, sondern schilt ihn offen; ferner: sei nicht der Beleidigung eingedenk, räche dich nicht selbst, sondern einen jeden liebe wie dich selbst. Es gibt aber auch kein besseres und gewisseres Gegengift gegen die Begierde wütender Rache, als sich selbst ganz in den Schoß Gottes selbst auszuschütten, welcher keine andere, als die gerechte Rache annehmen wird. Dagegen der neue Gesetzgeber, um das Ansehen der göttlichen Gesetze zu vermindern, sprach: wenn dir jemand auf der rechten Wange einen Backenstreich gibt, so halte ihm die linke hin; und wer dir das Oberkleid weggenommen, dem gib auch den Leibrock und vertreibe nicht Gewalt mit Gewalt. Dies aber war nach allen göttlichen und menschlichen Gesetzen immer erlaubt und wird es sein, ungerechte Gewalt auf löbliche Art von seinem Haupte abzuwehren. Dies aber ist noch unerträglicher: wer seinen Nächsten einen Gauch schilt, der sei dem höllischen Feuer verfallen . . . Denn wenn diese Gesetze, welche die Christliehen Fürsten und Obrigkeiten schon lange eingeführt haben, irgend eine Kraft hätten, so würde nirgends der Unschuld gegen die Kraft der Schlechten eine Stätte gelassen werden, sondern den Ruchlosen würde alles gegen die Guten, den Guten aber gegen die Ruchlosen nichts erlaubt sein.“179) Toralba und Salomo schließt sich Octavius an: ,,Geben wir zu (was Salomo nicht einräumt), daß Christi Lehre vorzüglich, sein Leben das heiligste gewesen, sein Name und Ruf in höchstem Glanz geleuchtet habe, seine Wunder endlich nicht magische, sondern göttliche gewesen seien; geben wir auch dies zu, was in der vierten Sure geschrieben ist, daß Christus vor allen übrigen Propheten den allerherrlichsten und göttlichsten Geist gehabt habe. Da aber dies alles auf einen Menschen passen kann, so 179) Heptaplom. S. 101 ff.