Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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74 der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aber verhinderte nicht, daß im Anfang des 18. Jahrhunderts fast jeder namhafte Gelehrte seine Abschrift des ketzerischen Buches hatte Aber noch 1720 war der Druck des Heptaplomeres verboten und das Werk wurde so unbekannt, daß selbst Lessing es in allen seinen Schriften nicht nennt. Wir sagten, daß in dem Freundeskreis des Coronaeus dert Epikuraeer fehlte, denn Toralba, der Vertreter der Vernunftreligion, gibt zwar zu, daß Epikur sich durch Enthaltsamkeit, Gerechtigkeit, Treue und Unbescholtenheit in den Sitten ausgezeichnet habe. Aber, so meint er, was frommten sie ihm, da er die Furcht und die Verehrung des göttlichen Wesens wie mit der Axt von der Wurzel löste? Denn ohne die Hoffnung auf Belohnung, ohne die Furcht vor Gott und den Strafen kann keine Gesellschaft von Menschen Bestand haben.166) So eint die Anerkennung des Glaubens an Gott und seine sittliche Weltregierung die Bekenner der verschiedenen Religionen. Aber auch die Vernunftreligion ist Toralba nicht Produkt der menschlichen Vernunft. Sondern wie die Sprache und die Erkenntnis des Guten hat der Mensch die Religion von Gott selbst empfangen. ,,Dies ist also der Inhalt meiner Schlußfolge: daß Adam und sein Sohn Abel die beste Religion gehabt habe, darauf Seth, Henoch, Methusalem bis Noah, welche jenen ewigen und wahren und einzigen Gott, aller Dinge Werkmeister und Vater und der ganzen Welt größter Baumeister, mit Ausschließung aller Uebrigen, auf das heiligste verehrten. Diese Religion also ist, vertraue ich, nicht nur die älteste, sondern auch von allen die beste, und daß diejenigen, welche von jener ältesten und besten Religion sich entfernt haben, in unauflösliche Labyrinthe gestürzt sind.“167) Nachdem Salomo Toralba zugestimmt, daß jene Religion die allerbeste und älteste Religion sei, wird von Senamus, dem Vertreter der heidnischen Religionen die Frage aufgeworfen, warum, wenn diese beste und einfachste Religion, die einfachste Naturreligion zu einem seligen Leben hinreicht, so viele Opfer, Zeremonien, Gebräuche nach Mosis Gesetz befohlen seien. Salomo erwidert, daß in Wahrheit, ,,zum Heile nichts anderes gehöre. In den Gesetzen der Natur sei alles enthalten. Die dem Abraham gebotene Beschneidung wäre auch nicht als zum Heile notwendig, 166) Heptaplom. S. 7. 167) Heptaplom. S. 57.