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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 100

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 100)
Language
German
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73 gern sehen und gastfreundlich auf nehmen, sondern man daselbst auch in der höchsten Freiheit leben kann, während man in den übrigen Reichen und Gegenden von Europa von Bürgerkrieg״ Tyrannendruck, beschwerlichen Zöllen oder lästiger Beobachtung der Geschäfte leidet“,164) versammeln sich im 16. Jahrhundert im Hause des Paulus Coronaeus, ״welcher in allen Winkeln der Stadt Denkmälern der Schrift und des Altertums eitrigst nach״ forschte und mit den gelehrtesten Männern einen vertrauten Umgang eingegangen war/‘165) die Vertreter aller Religionen zu vertrauten Gesprächen. Coronaeus ist gläubiger Katholik, Fridericus eifriger Lutheraner, Kurtius Calvinist, Salomo Jude, Octavius ist durch merkwürdige Umstande Anhänger des Islam geworden, Senamus ist Vertreter der heidnischen Religionsauf״ fassung und Toralba Gegner aller positiven Religionen und Be״ kenner der Vernunftreligion. Sie leben trotz der Verschiedenheit ihrer religiösen Ueberzeugungen in innigster Freundschaft und Ehrerbietung miteinander, nur der Epikuräer, der jede religiöse Ueberzeugung ablehnt, fehlt in ihiem Kreise. Nachdem man verschiedene philosophische Fragen im An״ Schluß an die Lektüre von Platons Phaedon erörtert, wendet sich das Gespräch der Frage zu, ob man über die Wahrheit der Religion diskutieren dürfe. Der Jude Salomo lehnt eine solche Disputation ab, da durch diese Andersdenkende nur zu leicht verletzt oder in ihrem bisherigen Glauben erschüttert werden können, ohne zu einer besseren Ueberzeugung geführt zu werden. Der Christ Fridericus wendet dagegen ein, daß es doch sehr richtig wäre, wenn auch nicht öffentlich, so doch privatim im Freundes״ kreise diese Frage zu erörtern. Da auch Coronaeus bittet, sich aller Bedenklichkeiten zu entschlagen und die Versicherung gibt, daß Salomo nichts von der Liebe, die er bei allen genieße, einbüßen werde, er gehe als Sieger oder Besiegter aus dieser Unterredung hervor, entschließt sich Salomo dem Wunsche seiner Genossen zu willfahren. So beginnt die Unterredung über die Wahrheit der Religion, die mit einem Freimut und einer Entschiedenheit der Kritik geführt wird, daß der Heptaplomeres, Bodins nachgelassenes Werk, selbst auf Denker wie Hugo Grotius und den jungen Leibniz einen geradezu erschreckenden Eindruck machte. Der allgemeine Abscheu vor dem Heptaplomeres in 164) Jean Bodin: Heptaplomeres oder Von den verborgenen Geheimnissen erhabner Dinge übers, v. Gulirauer, 1841, S. 3. 165) Heptaplom S. 3.

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