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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 99

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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72 prophetische Mystik entspringt der Eigenart des Judentums und der aus ihm hervorgegangenen Religionen; in ihr lebt der Offenbarungswille des heiligen, liebevollen Gottes. Grund genug, in dieser Mystik nicht eine Verirrung der schweifenden Phantasie, sondern den tiefsten Lebensgrund der prophetischen Religionen zu achten. Andrerseits kann nicht verkannt werden, daß die Mystik die geschichtliche Basis der Gemeinschaftsreligionen, die in historischen Gemeinschaftserlebnissen ruht, individualisiert, sublimiert, neutralisiert. In der Gleichgültigkeit des Geists gegen den Buchstaben entfliegt mit dem Buchstaben vielfach der diesen Buchstaben einwohnende religiöse Geist, der Geist dieser Religionsgemeinschaft, der in ihren geschichtlichen Persönlichkeiten und Institutionen seinen Ausdruck hat. So verbindet Sebastian Franck den Geist des ethischen Universalismus nur sehr lose nicht nur mit dem Buchstaben des dogmatischen Christentums, sondern auch mit dem Geist seiner Heils- und Rechtfertigungslehre. So erfüllt die Spannung zwischen Konfessionalismus und Universalismus ebenso die Mystik wie den Rationalismus. Nur ein Supranaturalismus, der keine Geschichte des Geistes kennt und keine Wurzel des Ewigen im Zeitlichen, nur ein Offenbarungsbegriff, der jeden Zusammenhang mit Gott, der durch den Menschen und seine Kräfte des Geistes und Fühlens vermittelt ist, als Menschenwerk ausschließt, vermag diesem Konflikt zu entgehen. Dann aber zerschneidet die Religion alle Verbindung mit dem Geistesleben des Menschen und isoliert Gott vom Menschen, der nach seinem Bilde geschaffen ist. Dann ist wohl der Konfessionalismus gesichert, aber auf Kosten der edelsten Kräfte der Menschheit. Wie sehr aber andrerseits die Mystik edelste Frucht und Same des Konfessionalismus ist, vermag sie nur aus dem fruchtbaren Erdreich einer konfessionellen Glaubensgemeinschaft, dem religiösen Geistesschatz ihrer Tradition, der religiös-erzieherischen Macht ihres Kultus, der Individualität des religiösen Gemeinschaftslebens hervorzusprießen. Auch im Gebiet der Religion bleibt das Individuum von der Gemeinschaft umfangen, die es trägt und nährt. 3. Gott und Mensch. (Der ethische Humanismus.) JEAN BODIN (1530—1597) In Venedig, ,,diesem allgemeinen Hafen aller Völker oder vielmehr, der ganzen Welt, weil die Venetianer nicht allein Fremde

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