Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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70 der Christ soll das Eigentum haben, als hätte er es nicht und was über das Notwendige hinausgeht, ist Unrechtes Gut. ,,Die scharfe Trennung zwischen Gott und allen weltlichen Gütern und Werten, die sich schon in der Mystik findet und die für die protestantischen Dissenters charakteristisch ist, findet sich auch bei ihm/'157) Darum ist auch die Geschichte nicht die fortschreitende Verwirklichung des göttlichen Willens, sondern ist ״die Welt Gottes Fastnachtsspiel".158) Neben Gottes Plan wirken die menschlichen Irrwege, neben Gottes Weisheit die menschliche Torheit. Immer aufs Neue bietet die Geschichte das Schauspiel dar, daß Gott die Gewaltigen niederwirft und die Niedrigen erhöht. Immer ärger wird die Welt. Es ist ein Hohn, mit Predigen da noch helfen zu wollen. In dieses Verderben der Welt ist auch die Religion hineinbezogen, daher ihre Veräußerlichung zum bloßen Buchstaben. Wahrheit und Irrtum in der Religion lassen sich nicht scheiden als rechtgläubige Kirche und Ketzerei. Sie sind überall gemischt, in der alten Kirche, in der neuen Kirche, in den Sekten. Zu allen Zeiten ist der Kern der Vorgänge auf religiösem Gebiet derselbe: die gleiche göttliche Wahrheit, die zu allen Zeiten und unter allen Völkern ihre Diener hat, und dieselbe Verkehrung der Religion, der gleiche Kampf zwischen Geist und Fleisch, Gott und Welt, Wahrheit und Figur.159) Die herrschenden Mächte der Welt, die große Mehrheit der Menschen, ihre bewunderten Führer werden .sich stets von Christus abwenden und das kleine Häuflein der Christen verfolgen. Wo die große Masse zu einem ״Glauben" übergeht, war es noch immer ein Zeichen, daß der Antichrist seinen Sitz nur aus einem alten hi?ein neues Reich verlegt. So beurteilt Franck den Eintritt der Volksmassen in die christliche Kirche unter Konstantin, die Massenbekehrung germanischer Völker, den Uebertritt ganzer Länder und Städte ins protestantische Lager, aber auch die Kirchengemeinden der Sekten und die Unionsbestrebungen. Denn nicht der Fortschritt, sondern die immer neue Trübung der Religion ist das Gesetz der Geschichte.160) Drum hat auch keine Kirche und kein Staat das Recht, Ketzer zu strafen. ״Der Glaube im Herzen soll frei, unbenötigt, und in keinen Eid eingebunden sein." Auch die Juden sind 157) Hegler a. a. O. S. 184. 158) Franck: Geschichtsbibel Vorr. a. II a. 5b; Hegler a. a. O. S. 248. 159) Hegler a. a. O. S. 250. 160) Hegler a. a. O. S. 254.