Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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68 Will anstatt eines Königs, dem alle Ding untertänig gehorsam . . . Nun es gerate und fall gleich wie es wöll, so ist es gewiß, daß es alles an den guten und bösen Willen gelegen ist/'150) So wagt es Franck, der Lehre der Erbsünde entgegen zu treten: Adams Sünde verdammt uns nicht, wenn wir nicht darein willigen und Adam anziehen; es schadet nicht, daß Adam in uns ist, wenn wir nur nicht in Adam sind. Und ebenso wenig kann fremdes Verdienst uns retten. ,,Also daß Sünd nicht anderes ist, denn von Gott zu sich selbst kehren, oder von Gott ausgehen und sich von seinem Willen und einwohnenden Wort zu dem eigenen abkehren/'151) So gibt es nur eine Sünde, die Abkehr von Gott. Man kann das selbst nicht wollen, ohne Gott zu verwerfen. Der Einfluß des Humanismus und sein eigenes moralisches Bewußtsein lassen Franck die Lehre der Prädistination zurückweisen. ,,Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit, keine Gewalt, Tyrannei, Partei oder Notzwang, daß er den mit Gewalt zum Himmel nöthe, beim Haar ziehe, noch den anderen mit Gewalt in die Hölle stoße und seiner Gnad entsetze." Der Wille ist frei geschaffen nach dem Bilde Gottes. Gott wirkt alles in allem, ausgenommen die Sünde.152) Kommt alles darauf an, daß der Geist Gottes im Menschen wirke und der Wille des Menschen ihn wirken lasse, so ist es für den Menschen die erste und letzte Aufgabe, daß er dem göttlichen Willen stille hält, es leidet, ohne es zu hindern und zu stören, daß Gott in ihm wirkt. Der Mensch muß ,,gelassen" sein, muß ,,feiern", muß den ,,Sabbat" halten. Diese Selbstverleugnung, Weltentsagung, Leidensgemeinschaft mit Christus ist Vorbedingung der Wiedergeburt. Ihr positives Aequivalent ist der Glaube, das Vertrauen in die Gnade Gottes, das Anhängen des Herzens an Gott. Hingegen hat der Glaube an Gott keinen christologischen Inhalt. ,,Die ganze Heilslehre Francks kann vollständig dargestellt werden, ohne daß Christus auch nur genannt werden müßte .... Es ist nicht der Christus, der einmal auf Erden lebte, sondern Christus in uns, der uns rettet."153) Der ethische Prozeß ist die Voraussetzung der Erneuerung. Ohne die Selbstverleugnung und Kreuzigung des alten Menschen keine Wiedergeburt. Die Selbstverleugnung aber erfolgt im 150i Mor. Enc. 97 b; Hegler a. a. O. S. 121. 181) Franck: Türkenchronik Anhang Hegler a. a. O. S. 133. Ui) Franck: Paradoxa qu. 1 a, n 8 a; Hegler a. a. O. S. 139 ff. 15ף Hegler a. a. O. S. 150.