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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 94

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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IRI
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ex Führer, Propheten und Gesetzgeber konzentriert die universale Religion zur jüdischen Religion ohne aber die universale Gotteserkenntnis und den universalen Pflichtenkreis der Menschheit aufzugeben. In der Form des Konfessionalismus die Gesinnung des Universalismus zu wahren ist Wesensgehalt und Aufgabe des Judentums wie jeder religiösen Kultur, die in ursprünglichem Volkstum wurzelt. Konfessionalismus und Uni Versalismus schließen sich so wenig aus, daß sie einander fordern, wie Nationalismus und übernationale menschheitliche Kultur.148) Aber die Denkmäler der Vergangenheit können das Vorwärtsschreiten des Volkes, der Menschheit gefährden. Der Ausgleich zwischen den erhaltenden und vorwärtsstrebenden Kräften eines Volkes ist von entscheidender Bedeutung für die Geschichte seines Geistes. Die Tragik des jüdischen Weges durch die Geschichte fordert schonende Erhaltung seiner seelischen Kräfte. Und doch hat es an leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen religiöser Tradition und religiöser Unmittelbarkeit, Schrift und Geist auch innerhalb des Judentums nicht gefehlt und nicht erst in der Neuzeit. Aber auch im Kreise des innigsten und treuesten Festhaltens an der Thora wußte man, daß Gott und Gotteswort nicht ein und dasselbe sind und entschloß man sich im Einzelfall, wenn auch schweren Herzens, das Wort Gottes zu zerstören, um seinen Geist zu retten in Anknüpfung an das Psalmenwort: Da es Zeit war für Gott zu wirken, zerstörten sie Deine Thora.149) Der Geist der Schrift aber kann nicht inniger und reiner erkannt werden, als ihn Franck in dem im Menschen eingeborenen Wort Gottes erfaßt. Und wiederum ist es der tiefste Gehalt des Judentums Mystik und Rationalismus, Religion und Sittlichkeit als unlösliche Einheit zu gestalten. Nicht die Autonomie rationaler Vernunfterkenntnis, sondern die Macht und Liebe des heiligen Gottes lebt und wirkt im sittlichen Willen des Menschen. Darum ist der Geist des Menschen nicht ohnmächtig gegenüber der Macht der Triebe und vermag keine Tiefe und Gewalt der Sünde, die Gottverbundenheit des Menschen, die Kraft seiner sittlichen und religiösen Erneuerung zu zerstören. Wohl aber bedarf es des Willens des Menschen um das Wort Gottes ,,anzunehmen/‘ Dieß ist auch die Ueberzeugung Francks: ,,In des Menschen Seel ist der 148) Siehe Michael Guttmann: Das Judentum und seine Umwelt 1927, 6. und 7. Abschn. A. Lewkowitz: Religiöse Denker der Gegenwart 1920. S. 68. 149) Psalm 119 v. 126. r

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