Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--092-2726913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 auf dem Grunde des menschlichen Herzens, kann der Prophet unmittelbar anschließend fortfahren: ,,So spricht der Ewige, der die Sonne bestellt zur Leuchte des Tages, und Gesetze gab dem Monde und den Sternen, daß sie zum Lichte in der Nacht seien, der aufwühlt das Meer, daß seine Wellen brausen* Ewiger der Heersehaaren ist sein Name: Wenn diese Gesetze von mir weichen, ist der Spruch des Ewigen, so soll auch der Same Israels aufhören, ein Volk zu sein vor mir alle Tage/' Und den Gedanken des Unterganges des Volkes ausschließend: ,,Also spricht der Ewige, wenn gemessen werden die Himmel droben und ergründet die Stützen der Erden unten, so werde auch ich verwerfen den ganzen Samen Israels, um alles des willen, was sie getan, ist der Spruch des Ewigen/'147) Gottes Schöpfung, die Thora und Israel verbürgen sich gegenseitig ihren Bestand, zusammengehalten durch Gottes Wort! Das Wort Gottes an den Menschen aber lebt im Herzen des Menschen. Enthält aber die Thora nur Gesetze, die im Herzen des Mensehen begründet sind? Daß es einen universalen Pflichtenkreis gibt, auf dem die universale Gotteserkenntnis ruht, und daß es religiöse Pflicht sei, diesen Pflichtenkreis der ganzen Menschheit zum Bewußtsein und in ihr zur Anerkennung zu bringen, ist ein zentraler Inhalt der jüdischen Lehre und die jüdische Propaganda des, Monotheismus in der Heidenwelt beweist, daß es nicht bei der bloßen Lehre geblieben ist. Welches Verhältnis aber besteht zwischen diesem ethischen Universalismus, dem Wort Gottes im Herzen des Menschen und den partikularistischen Gesetzen und partikularistischen Geschichtserzählungen der Thora? Und hier wird uns die Schranke nicht der Thora, sondern Francks offenbar. Die Thora offenbart nicht bloß Gott auf dem Grunde der religiösen Erfahrung des menschlichen Herzens, sondern auf dem Grunde der religiösen Erfahrung des jüdischen Volkes. Gott ist nicht bloß Gott des Individuums und der Menschheit, sondern als Gott der Geschichte der Befreier Israels aus Aegypten, sein Führer und Gesetzgeber, der Tag um Tag seine Propheten sendet als Verkühder seines Wortes. Mitten im Sturm und Drang der Geschichte baut Gott den Völkern, baut er Israel den Weg ihres Heils und ihrer Läuterung. So erfaßt die Thora den Weg Israels als den von Gottes Macht bestimmten Weg und richtet Denkmale dieses Weges auf. Die Thora ist die Wohnung Gottes in Israel. Die religiöse Erlebniswelt des jüdischen Volkes, insbesondere seiner 147) Jeremia Kap. 31 v. 33—37.